Z0012 „Das Heilige in der Welt des Alltäglichen“

1.12.2014
Das Heilige in der Welt des Alltäglichen
Mumonkan Fall Nr. 42: Die Frau kommt aus dem Samadhi

Christoph Rei Ho Hatlapa spricht in diesem ersten Vortrag einer Serie während des Sesshin im Dez. 2014 darüber, wie wir das Heilige im Alltäglichen finden können.
Im vorliegenden Beispiel des Mumonkan wird eine Situation aus einem Mahayana-Sutra geschildert, in der eine Frau sich in einem metaphysischen Bereich in der Nähe des Buddha aufhält und vom Bodhisattva der Weisheit, Manjushri, nicht erreicht werden kann. Der Repräsentant der Weisheit selbst kann eine gewöhnliche Frau, die sich auch noch in unmittelbarer Nähe des Buddha aufhält, nicht erreichen: Diese Situation muss damals, zur Zeit der Entstehung des Sutras, aus dem diese Geschichte stammt, ein unerhörter Affront gegen die Tradition gewesen sein!

Diese provokane Darstellung macht deutlich, wie limitierend eine Weltsicht sein kann, die sich nur auf die Formlosigkeit und “das Essentielle” festlegt.
Im Beispiel ist schließlich der dem irdischen Bereich noch ganz nahe Bodhisattva der ersten Stufe, Momyo, dazu fähig, die Frau zu erreichen. Er kann die Einmaligkeit und das Besondere (noch …) sehen und deswegen auch die Frau in ihrer Versenkung erreichen. Manjushri aber, als der “Spezialist” für die Wesengleichheit, die keine Unterschiede mehr sehen und anerkennen kann, kann dem Sosein in diesem Fall nicht gerecht werden.
Für uns geht es aber darum, beides, die alle Phänomene und alle Wesen verbindende Wesensgleichheit, also dasjenige, was essentiell ist, UND die Einmaligkeit der Individualität der einzelnen Erscheinung und jedes einzelnen Wesens, zusammenzubringen!
“In der Welt des Gewöhnlichen können wir alles finden, was uns heilig ist.”

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