Z0116 Veränderung und Loslassen (Teisho vom 2.12.2020)

Nach einer Baum-Meditation (aktive Imagination) spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über Joshus Koan ’Lass es los!’.

Ein Mönch, der wirklich vollständiges Loslassen erlangt hat und von der ’Leere’, von der ’Unbegrenztheit’, zutiefst berührt ist, kommt zu Meister Joshu und fragt um Rat, was er jetzt, nach dem vollständigen Loslassen, tun soll. Joshu macht dem Mönch klar, dass er jetzt, nachdem er alles losgelassen hat, an der ’Leere’, bzw. an der ’Unbegrenztheit’ festhält.
Aber auch, wenn wir noch an den menschlich-allzumenschlichen Anhänglichkeiten festhalten, werden wir gelegentlich vom Leben aufgefordert, loszulassen und Raum zu schaffen für Neues. In solchen Prozessen kann uns die Zenpraxis unterstützen, die nötige innere Arbeit zu leisten um auch die uns so liebgewordenen «Vertrautheits-Anker» schließlich loszulassen zu können.

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Z0115 Jenseits der Gegensätze «Der höchste Weg ist gar nicht schwer»(Teisho vom 1.12.2020)

Hekiganroku Nr. 2

Meister Joshu, chin.: Zhaozhou Congshen, lebte von 778-897, d.h. immerhin 120 Jahre. Schon mit 17 Jahren hatte er eine starke innere Erfahrung von ’shuyata’, also ’Leerheit’. Diese Erfahrung der ’Leerheit’, oder besser: ’Unbegrenztheit’ geht oft einher mit einem starken Eindruck der Wesensgleichheit. D.h. die Grenzen zwischen dem Alltags-Ich und der sogenannten «Um-» Welt verschwinden.
Diese ’Leerheit’ oder ’Unbegrenztheit’ wird in der Zentradition differenziert dargestellt als 1.: Spiegelgleiche Weisheit, 2.: Weisheit des vollständigen Handelns, 3.: Die Weisheit der Wesensgleichheit und 4.: Die Weisheit der Beobachtung.
Joshu wurde zum Schüler von Meister Nansen, chin.: Nanquan Puyuan (749-835), und wanderte nach dessen Tod, er selber war zu diesem Zeitpunkt schon 60 Jahre alt, durch ganz China um andere Lehrer zu besuchen.

Im Koan Nr. 2 des Hekiganroku und im Lehrgedicht Xinxinming (jap. Shinjinmei) von Seng-ts’an (jap. Sosan; † 606), dem dritten Patriarchen wird die Überwindung der – anscheinenden – Gegensätze in der begrenzten Weltsicht thematisiert. Diese Schrift ist ein Appell, aus der dualistischen Interpretation der Wirklichkeit auszusteigen.

Z0114 Die Illusion der getrennten Einzelexistenz überwinden (Teisho vom 17.1.2021)

Hekiganroku Fall Nr. 100

Z0113 Das allmähliche und das plötzliche Erwachen (Teisho vom 16.1.2021)

Hekiganroku Nr. 38

Eine plötzliche existentielle Erschütterung kann unter Umständen zu einer Art von Erwachen führen, einem inneren Umschlagen der Sicht der Welt, das zu einer ganz anderen und realeren Auffassung des Lebens führt. Aber auch ein solcher radikaler Paradigmenwechsel in der persönlichen Erfahrung braucht danach einen Integrations- und Reifungsprozess, wie Christoph Rei Ho Hatlapa am Beispiel der Lebensgeschichte von Reiko Mukai, genannt Kosan, erläutert.
Der – irrtümlichen – Auffassung, dass mit einem existentiellen Erwachen schon alles erreicht wäre, widersprach der Zenmeister Oi Saidan Roshi, obwohl er Reiko Mukais “Erwachen” anerkannte. Denn auch nach einem tiefen Erwachen liegt der lange Weg der Integration und Reifung noch vor uns. Das Erwachen, selbst ein tiefes Erwachen mit einer echten Einsicht in die Wesensgleichheit, braucht danach immer noch die Integration mit dem Leben im Alltag und die Bewährung in der Praxis des realen Lebens.
Aber auch ohne ein initiales existentielles Erlebnis kann eine gut angeleitete Schulung zu einem fortschreitenden Prozess des Erwachens führen. Beide Wege, die sogenannte “plötzliche Erleuchtung” und die langsame Reifung können sich tatsächlich gegenseitig ergänzen.
Diese Integration und Reifung wird in der zenbuddhistischen Tradition, hier vom Meister Fuketsu vertreten, als das Dharmasiegel des Buddha und der Patriarchen bezeichnet. Wer diesen Weg gegangen ist und diese Integration geleistet hat, der kann mit den drei Daseinsmerkmalen des Lebens schöpferisch und aktiv umgehen. Diese drei Daseinsmerkmale sind, laut buddhistischer Lehre: 1.: Die Nicht-Substantialität des Ich (anatta), 2.: die Vergänglichkeit und Flüchtigkeit aller Erscheinungen (anicca) und 3.: Das Verlöschen aller Konzepte im Erwachen (nirvana).
In dem Maße, in dem wir mit diesen Daseinsmerkmalen – nicht nur als gedanklich wiedergekäute Theorien, sondern als selbst erfahrene Einsichten – im realen Leben präsent und schöpferisch umgehen können, in dem Maße kann man dann wirklich von Erwachen sprechen.
Gerade die selbst erfahrene Einsicht in die Natur der Vergänglichkeit aller Erscheinungen, bis hin zu den Beziehungen der Menschen untereinander, kann uns dann öffnen für die Einzigartigkeit und die volle Intensität jeden Augenblicks. Wir werden dann sorgfältiger im Umgang untereinander und mit der Mitwelt und bleiben auch dann hellwach, wenn wir durch unangenehme Erlebnisse hindurchgehen. Und in dem Maße, in dem wir wissen – durch eigene Einsicht – was mit Nicht-Ich (anicca) gemeint ist, können wir auch die eigene Vergänglichkeit bis hin zum eigenen biologischen Tod annehmen. Wir wissen dann, dass das Große Leben, aus dem wir alle hervorgegangen sind, weitergeht. Und wir können darauf vertrauen, dass wir in diesem über uns hinausreichenden größeren Zusammenhang aufgehoben bleiben; auch wenn das, was wir heute für unser “Ich” halten, sich in seine Bestandteile aufgelöst hat. Wie in unserer buddhistischen Tradition immer wieder aus dem Herz-Sutra, dem Hannya-Shingyo, rezitiert wird: Nichtbegrenztheit (Leerheit, shunyata) ist identisch mit den Formen, die Formen sind identisch mit der Nicht-Begrenztheit, der Leerheit. Damit wir diese Identität von Großem Leben und unserem begrenzten eigenen Leben, diese Identität von Form und Leerheit, im realen Leben umsetzen können, brauchen wir die Übungspraxis. Auf diesem Weg der Integration können wir in zunehmendem Maße mit dem ständig neue Formen gebärenden Gewebe des Großen Lebens in Einklang kommen.

Z0112 Medizin und Krankheit heilen sich gegenseitig (Teisho vom 27.11.2020)


https://youtu.be/8tRvFhfMzEU

Wir sind gleichzeitig Kinder der Erde und Kinder der Grenzenlosigkeit. “Grenzenlosigkeit” im Sinne des Hannya Shingyo: “Grenzenlosigkeit ist nicht verschieden von Form und Form ist nicht verschieden von Grenzenlosigkeit”. (’Shunyata’, sinojap.: ’ku’, wird hier nach Kazuaki Tanahashi als ’Unboundedness’, also als ’Unbegrenztheit’ verstanden; im Sinne der Eigenschaften aller Daseinselemente, die buddhistisch als ohne Eigensubstanz und als untrennbar miteinander verwoben erkannt werden.) Im Herz-Geist, in Bodhicitta, im Erleuchtungsgeist, kann unser Geist zur Verbundenheit mit den Mitmenschen und der Mitwelt erwachen.

Eine gelungene Verbindung beschreibt der Soziologe Hartmut Rosa mit der Metapher ’Resonanz’. Zu dieser Resonanz gehört:
Wir werden wirklich berührt und ergriffen.
Wir erleben uns als selbstwirksam. Im Daoismus wird von Wu wei gesprochen, vom absichtslosen Handeln in Übereinstimmung mit der Mitwelt.
Im Wechselspiel von Berührt-werden und Antworten verwandeln wir uns selbst.
Die Resonanzbeziehung ist grundsätzlich ’unverfügbar’; Resonanz ist keine Ressource, auf die wir beliebig zugreifen können und sie bleibt unserer Kontrolle existentiell entzogen.
In einer solchen Resonanz können wir – nach Umon – gar nicht anders als ’Medizin’ zu erwecken. Und wenn wir die ’Medizin’ im Sinne Umons erweckt haben, können wir nicht anders, als uns mitfühlend und hilfreich zu verhalten.
Und Umon fragt dann: Wo findest du dich selbst? Das heißt: Wo bist du selbst in diesem Prozess des durch Resonanz geleiteten Eingreifens in die Welt?

Z0111 Zufluchtnahme-Zeremonie (Teisho vom 11.10.2020)

Anlässlich einer Zufluchtnahme-Zeremonie spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über die ersten fünf Silas,verstanden als Übungsempfehlung in Form einer universellen Ethik:

  1. Nicht töten und Leben erhalten. – Es geht darum, das Leben zu fördern (“Bring up all beings!” – Oi Saidan Roshi)
  2. Nichts nehmen, was nicht gegeben ist. Großzügigkeit üben. – Weil das Leben eine großzügige Veranstaltung ist!
  3. Kein sexuelles Fehlverhalten.
  4. Wahrhaftigkeit praktizieren. Anderen und sich selbst gegenüber.
  5. Den Geist nicht trüben und Klarheit bewahren. – Besonders auch in Bezug auf die zunehmende Abhängigkeit von Social Media.

Z0110 Mit dem Unerklärlichen praktisch umgehen (Teisho vom 10.10.2020)

Shumon Kattoshu, Fall 231(221)

Changshi schaut ein Polospiel an, geht es um die Beziehung zu den Wesen und Dingen dieser Welt.
Sogar mit Werkzeugen, Maschinen und Heizungsanlagen können wir in eine rein mechanistisch gegenständlich oder aber in eine angemessene Art und Weise der Beziehung treten. Wenn wir dann mit einer Blume oder einem Stein zu tun haben, dann analysieren wir die Blume nicht nur und benutzen den Stein nicht nur sondern “werden” gewissermaßen Blume, “werden” Stein. In einem Universum, das unermesslich weit über unser Fassungsvermögen hinausgeht, haben wir es ständig auch mit Geheimnissen und mit dem Wunderbaren zu tun. Das Geheimnsivolle können wir vielleicht nicht analysieren, aber wir können trotzdem damit in Kontakt gehen.

Z0109 Die grundlegende Frage von Leben und Tod (Teisho vom 9.10.2020)

MU Fall Nr. 47 Tosotzus drei Barrieren

Im Fall Nr. 47 aus dem Mumonkan, Tosotzus drei Barrieren, wird der Umgang mit der Vergänglichkeit und mit dem Tod thematisiert.
Die “Drei Barrieren” sind die Fragen:

  1. Was ist deine wahre Natur?
  2. Wie kannst du frei von “Leben-und-Tod” sein?
  3. Wohin wirst du gehen?
    Im Prozess, den wir auf dem Zen-Weg durchlaufen, arbeiten wir in der Meditation mit einer Tiefenatmung die uns das Gewahrsein im Nicht-Denken erleichtert. Im eigenen Schwerpunkt – Hara – zentriert gewinnen wir Selbstvertrauen und wecken unsere ursprüngliche Natur.
    Dann können wir, konfrontiert mit der Vergänglichkeit, sogar bis hin zum eigenen Tod – als Kinder sowohl der Erde als auch der Grenzenlosigkeit – mitten in dieser Vergänglichkeit in vollem Gewahrsein unserer eigentlichen Natur leben.

Z0108 Zen als Durchdringung von Versenkung und alltäglichem Leben (Teisho vom 8.10.2020)

Kattoshu Fall Nr. 28 (26): Kyogens Klang eines Bambusrohrs – Über die Zenpraxis der Verbindung von Versenkung und alltäglicher Arbeit.

In der Traditon des Zenbuddhismus wird seit Hyakujo Ekai, (720 – 814,) ausdrücklich Wert auf die Verbindung von Versenkung und täglicher Arbeit gelegt. Die produktive praktische Tätigkeit wird dabei als spirituelle Disziplin verstanden. Hyakujo Ekai legte die heute noch praktizierten Regeln für das Leben der Mönche in den Selbstversorgerklöstern fest.
Wenn wir diesem Weg folgen, können wir immer mehr erleben, dass der Umgang mit den praktischen Lebensfragen und den Dingen des Alltags zu unserem eigentlichen Lehrer wird.
Bleiben wir nur im Funktionieren, dann fehlt etwas Entscheidendes. Vollständiges Zen wird dagegen immer mehr zur Durchdringung von Versenkung und alltäglichem Leben. Und im Prozess des Erwachens werden wir natürlicherweise zu achtsamen Menschen.

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Z0107 Welche Normalität wünschen wir uns? (Teisho vom 27.9.2020 in Wuppertal)

Der Kaiser, der viel für den Buddhismus getan hat, befragte den indischen Mönch Bodhidharma, welches Verdienst er durch seine Förderung des Buddhismus erworben hätte. Bodhidharma antwortet: “Kein Verdienst”.
Wir selbst greifen heute kollektiv tief in die Welt ein und glauben oft noch, die Dinge im Griff zu haben. Gleichzeitig werden wir selbst mit alltäglichen Herausforderungen konfrontiert bis hin zur existentiellen Frage von Leben und Tod. Und speziell in der herrschenden Corona-Situation stellt sich uns die Frage, zu welcher “Normalität” wir zurückkehren wollen.
Wie der Dalai Lama sagt: Wir können dazu beitragen, zur größten Revolution der Menschheit beizutragen: der Revolution des Mitgefühls.

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