Neben den Koansammlungen wird im Zentraining der Rinzai-Tradition auch die Sammlung mit biographischen Anekdoten über Meister Rinzai als Koansammlung bearbeitet.

Der wahre Mensch ohne Rang … – so bezeichnet Meister Rinzai (chinesisch: Linji Yixuan, gest. 866) den Menschen, der zu seiner ursprünglichen Natur erwacht ist. Was dieses Erwachen aber im Wesen ausmacht, das ist, so heißt es im Zen, nicht in Worten auszudrücken. Dasjenige, um das es auf dem Zen-Weg geht, kann nicht benannt werden.
Dieser “wahre Mensch”, der mit dem nicht wirklich begrifflich fassbaren Dao im Einklang lebt, stand auch schon bei Lao Tse und in der Anekdotensammlung des Tschuang Tse im Mittelpunkt. Die buddhistische Tradition, die wir als Zen kennen, übernahmen im China der Tang-Zeit nicht nur die Metaphorik aus dem Daoismus, sondern auch eine sehr lebenspraktische Haltung gegenüber dem Alltag.
Unser Alltag des Konsums und des Wachstumszwangs wird sich auf dem Weg zu einer von Mitgefühl und Weisheit geleiteten Gesellschaft in der Gestalt ähnlich dramatisch verändern müssen, wie die morphologische Wandlung von einer Raupe zu einem Schmetterling verläuft. Noch können wir uns eine lebensdienliche Gestalt unseres Alltag genauso wenig vorstellen, wie sich vielleicht eine Raupe die Gestalt eines Schmetterlings vorstellen kann. Aber diejenigen Zellen, die den Wandeln initiieren, sind bereits aktiv. Wir können uns jetzt für die Impulse aus diesen Zellen, die den Wandel in Gang setzen, öffnen. Der wahre Mensch, von dem Meister Rinzai sprach, braucht allerdings, um sich zu zeigen und zu entwickeln, unsere Praxis und unsere Übung.

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Wer sein inneres Zentrum, sein ’Ki’, geübt hat, reagiert nicht mehr schematisch und voraussehbar auf seine Mitmenschen; so erläutert Christoph Rei Ho Hatlapa in diesem Vortrag anhand des Beispiels Nr. 25 aus dem Hekiganroku. Dort wird die “Götterperspektive” derjenigen kritisiert, die sich über gewöhnliche menschliche Belange erhaben wähnen. Diese Haltung ist nämlich, wie das Koan erläutert, kein Ort an dem man bleiben kann. Nach der in der Meditation erarbeiteten Einsicht in die Wesensgleichheit bleibt uns die entscheidende Aufgabe der Umsetzung und Integration dieser Erfahrung in den eigenen Alltag. Als Orientierung für diesen Prozess sprach der der Buddha von den sogenannten vier analytischen Wissen:

1.: Das Potential zum Erwachen;

2.: Die Erkennbarkeit der Gesetze des Großen Lebens;

3.: Die lebensdienliche Sprache (die eine Erkenntnis des Dharma vermittel);

4.: Die Integration der Einsicht durch Übung.


Wer auf dem Übungsweg an seiner inneren Haltung arbeitet und die “Buddhaschaft” kultiviert, kann erleben, wie sich dann auch der ganz gewöhnliche Alltag verändert.

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Anhand von Koan Nr. 14 aus dem Mumonkon spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über die auf dem Zen-Weg geübte Offenheit für das Absichtslose.
Wir können unsere Intentionen verfolgen, erläutert er, ohne an unseren Konzepten zu hängen, wenn wir mit den Umständen, mit dem “Feld”, in Resonanz gehen. Dann sind wir, statt in der Welt der Konzepte, in der Welt des Vertrauens. Im Beispiel des Koans fordert Nansen die Mönche heraus in ihrem Streit um eine Katze kreativ zu werden und einen entscheidenden lösenden Aspekt zu benennen. Auch die Mediatoren, die 1980 das sogenannte Harvard Konzept entwickelten (“Getting to Yes -Negotiating an agreement without giving in”) wollten wegkommen vom Feilschen um Positionen und von Lösungsansätzen, die nur einen Sieger vorsehen oder das Vorhandene hälftig aufteilen möchten.
Nansen will seine Mönche dahin bringen, ihren Streit und die Situation vom Eigentlichen her selber lösen zu können.
Wenn wir uns in einem Streit festgefahren haben kommt häufig noch die Scham dazu, überhaupt einem Konflikt zu unterliegen. Liv Larsson (“Wut, Schuld & Scham”) spricht von den Vermeidungsreaktionen bei Scham: Rückzug, Rebellion, Selbstangriff sowie Schuldgefühle und Ärger. Die Scham blockiert dann unsere Phantasie und unser Handeln und wir sind nicht mehr mit unserem Potential – der “Buddhanatur” – verbunden.

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In diesem Vortrag spricht Christoph Rei Ho Hatlapa darüber, wie wir mit Herausforderungen und Grenzen umgehen können. Das Koan stammt aus dem Shumon Kattoshu, Fall Nr. 122 (Westerbarkey Übersetzung: Fall 114): Als der Buddha geboren wurde.

Der Raum den wir im Sesshin schaffen, erlaubt uns, die Verbindung von Herz zu Herz zu spüren. Grenzerfahrungen geben uns die Möglichkeit unsere gewohnten Konzepte und Bewertungen in Frage zu stellen. Die Aufforderung zur Selbstdisziplin trifft dabei auf Möglichkeiten, den Raum der inneren Entscheidungsfreiheit zu öffnen. Gleichzeitig wenden wir den Blick nach innen und betreiben Selbstfürsorge. Und wir können, was das Mitgefühl angeht, ein Sowohl-als-auch entwickeln, indem wir gleichzeitig spüren, was wir brauchen und aber auch wahrnehmen, was die Menschen um uns herum brauchen.

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Die Bahn, das klimafreundlichste Verkehrsmittel, ist nicht nur in Deutschland, sondern in weiten Teilen Europas sträflich vernachlässigt und heruntergewirtschaftet worden. Mit Mitteln der EU und der Mitgliedstaaten wurden unzählige regionale Flughäfen für den Tourismus mit öffentlichen Mitteln zur Nutzung von Billigfluglinien subventioniert. Bei der Bahn wurden fast ausschließlich Schnelltrassen zwischen den großen Metropolen vorangetrieben, während mittlere Städte und der ländliche Raum immer schneller aus dem Netz herausfielen.

“Connectivity” -Verbindungen-, – ein großes Wort der Verkehrsplaner der EU -, wirkt in Zeiten der Klimakrise wie ein schlechter Witz, denn die Bahn steht hinsichtlich preislicher Konkurrenzfähigkeit und Serviceangebot gegenüber dem Flugverkehr vollständig auf dem Abstellgleis.

Hannes Lorenzen, Begründer verschiedener europäischer Netzwerke im Bereich Landwirtschaft und nachhhaltige ländliche Entwicklung, und EU Beamter im Ruhestand, hat die Probe auf’s Exempel gemacht. Er reiste mit dem angeblich günstigen Interrail-ticket von Brüssel nach Candás, Asturien zum Europäischen Ländlichen Parlament, – und zurück, für das fünffache eines Flugtickets. Hier ist sein Bericht.

Ich hatte mir vorgenommen nicht zu fliegen. Anfang November stand eine Moderation beim European Rural Parliament in Candás, Asturien auf meiner Agenda, vorher noch ein Treffen mit Saatgutinitiativen in Porto. Hin und zurück Luftlinie Brüssel- Porto ca 3000 km; Fahrstrecke mit der Bahn ca 4000 km.

Ich erinnerte mich an meinen Interrail-Pass aus der Studienzeit. Man kann innerhalb eines Monats eine bestimmte Anzahl von Reisetagen wählen, und an diesen Tagen unbegrenzt bahnreisen. Heute kosten fünf Tage für Rentner rund 250 Euro. Ein fairer Deal, – dachte ich. Eine normale Zugfahrt ohne Ermäßigung von Brüssel nach Porto, dann nach Candás und zurück nach Brüssel kostet  immerhin zwischen 600 und 700 Euro, je nachdem, ob man die Schnellstrecke über Barcelona oder die direkte Strecke über das Baskenland wählt. Das ist das Zehnfache dessen, was man für einen Hin- und Rückflug bei relativ kurzfristiger Buchung bezahlen muß. Mit Interrail ticket bleibt es das fünffache des Flugtickets und ungefähr ein Drittel des normalen Zugtickets. Dachte ich. Ich wollte die Erfahrung der Schiene, und ich konnte es mir leisten, mehr Geld und mehr Zeit in diese Reise zu investieren.

Als ich die Interrail-Regeln genauer las, stellte ich fest, dass man zumindest in Belgien, Frankreich und Spanien alle Fernzüge gegen Gebühr reservieren muss. Alternative Züge gibt es nicht. Man muss die Schnellzüge Thalys beziehungsweise TGV nehmen. Der Thalys kostet von Brüssel nach Paris schon mal 99 Euro, ein Monopolpreis. Brüssel, Paris, Hendaye, Irun, Valladolid- Coimbra – Porto, das war die Idee der Südroute. Ich mußte alle Züge einzeln reservieren – und die Reservierungen zusätzlich zum Inter-rail ticket bezahlen.

Jetzt nicht aufgeben. Zunächst also den Thalys von Brüssel nach Paris buchen. Reservierung mit Interrail Pass kostet angeblich 10 Euro pro Zug. Aber nur, wenn man viele Wochen vorher gebucht hat. Auf der Interrail-Seite und den Webseiten der nationalen Bahngesellschaften Belgiens und Frankreichs gelingt es mir nicht, eine Zugreservierung ohne ticket zu bekommen. Ohne Reservierung einsteigen wie in Deutschland kommt einen teuer zu stehen, den doppeltes Fahrpreis in der Regel.

Reisebüros in Brüssel bieten keine Bahntickets mehr an, auch keine Reservierungen. Ok, ich fahre zum Bahnhof. Am internationalen Schalter im Gare de midi werde ich herumgereicht, weil sich keiner auskennt mit Inter-rail. Schließlich verhilft mir eine sehr freundliche Kollegin zur einer Reservierung im Thalys nach Paris. Sie sagt, im internet geht es tatsächlich meistens nicht. Das beruhigt mich irgendwie. Sie kann aber von Paris nur bis zur spanischen Grenze reservieren. Wie das System in Spanien oder Portugal funktioniere, wisse sie leider nicht. Ich solle mich am besten sofort an der Grenze um meine Reservierung kümmern.

An der Grenze abends den Nachtzug nach Porto reservieren? Hmm. Sie lächelt. Erstmal sind 49 Euro fällig, bitte. 20 Euro für den Thalys, 20 für den TGV, plus 9 Euro für das “dossier”, also die Auskunft.  Komm schon, 49 Euro extra sind nicht die Welt, für dieses Experiment jedenfalls nicht.

In Hendaye komme ich zu spät an, das heißt, vielleicht hätte ich früher reservieren müssen. Der Anschluß mit dem Nachtzug nach Coimbra mit Anschluß nach Porto ist  nicht mehr zu kriegen. Man muß die Grenze mit einem speziellen Privatzug passieren, denn die Breite der französischen und der spanischen Züge ist nicht kompatibel. Der Transferdienst über die Grenze ist aber leider um diese Zeit geschlossen.

Ich denke über die Grenze kann es nicht weit sein, und will zu Fuß los. Auf dem Bahnsteig steht ein schwerbehinderter Mann auf Krücken und versucht seinen Rollstuhl aufzufalten. Er ist allein. Er will nach Irun auf der anderen Seite der Grenze. Ich biete ihm an, ihn zu schieben. Es sind fast vier Kilometer, wie sich später heraussstellt. Hier in Hendaye gibt es kein Hotel mehr.  Wir brauchen etwa eine Stunde über die Brücke. Es gießt in Strömen. Gegen ein Uhr finden wir ein Hotel in Irun. Zu teuer, sagt der Mann. Ich zahle den Teil, den er sich nicht leisten kann. Er will am nächsten Tag einen Freund im Baskenland treffen, sagt er.

Ich habe keine Lust, im Hotel zu bleiben. Im Internet finde ich eine Nachtbus-Option, die um 3 Uhr morgens am Bahnhof Irun abfahren soll. Ich buche über das Netz und bin rechtzeitig da. Aber der Bus kommt nicht. Ich bin jetzt Teil einer Gruppe von Obdachlosen geworden zusammen mit einem portugiesischen Saisonarbeiterpaar, das den Nachtzug auch verpasst hat. Zuerst dachten wir, der Bus sei wegen des schweren Wetters zu spät. Um halb sechs Uhr hören wir, dass der Bus ganz ausfällt. Wir schlafen eine Weile auf Bänken, bis die Polizei kommt und uns wegschickt.

Um sieben finden wir Kaffee und toastadas in einer Bäckerei, köstlich! Zurück am Bahnhof finden wir heraus, dass es nur diesen einen Nachtzug nach Lissabon und Madrid gibt,  keinen Zug am Tag, der uns tagsüber nach Lissabon oder Porto gebracht hätte. Wir buchen den nächsten Nachtzug am Abend, 24 Stunden später. Die Reservierung kostet 20 euro, mit Liegeplatz nochmal 31 Euro. Liegen ist  köstlich. Gegen 5 Uhr morgens steige ich in Coimbra um und bin gegen sieben in Porto. Ein sehr schöner Bahnhof übrigens.

Nach Abschluß des European Rural Parliament geht es nach Norden. Auf der Landkarte sieht die Strecke von Porto nach Gijon verlockend aus. An der Küste Portugals, Galiciens und Asturiens entlang, Braga, Santiago de Compostelas, La Coruna. Mit dem Zug dauert es 14 Stunden für 550 km.  Mit dem Bus zwischen 8 und 12, wenn die Anschlüsse klappen. Busunternehmen haben hier schlecht koordinierte Fahrpläne, was oft zu langen Wartezeiten und verpassten Anschlüßen führt. Ich habe ja mein Interrail ticket. Ich fahre deshalb erstmal wieder südlich nach Coimbra, obwohl Gijón im Nordosten liegt, dann in dem mir vertraut gewordenen Nachtzug wieder nach Norden, wo ich um 5 Uhr morgens in Valladolid ankomme und zwei stunden später nach Gijón umsteige. Reisezeit 15 Stunden, 35 euro für Reservierungen.

Auch der Rückweg nach Brüssel hat es in sich. Schnellere Zugverbindungen nach Frankreich gehen entweder mit einem riesigen Umweg über Madrid und Barcelona oder wieder mit dem Nachtzug nach Hendaye. Die Anschlüsse dort kenne ich ja schon. Ich versuche diesmal verschiedene Bussverbindungen um wieder zur Schnellstrecke nach Frankreich zu kommen. Ich will von Gijon nach Oviedo, von dort nach Bilbao, und dann nach Bayonne in Frankreich. Dort will ich den TGV nach Bordeaux und Paris nehmen. In Bilbao erfahre ich, dass von Bayonne nach Bordeaux zur Zeit alle Züge abgesagt sind, Streik,oder man weiß nicht genau. OK, besser mit dem Bus direkt von Bilbao nach Bordeaux also. Busbuchungen im Netz zu stornieren oder umzubuchen ist ein echtes Kunststück, vor allem wenn verschiedene Firmen auf der Strecke unterwegs sind. Am Schalter hab ich Glück. Der Mann kennt den Trick. Gracias senor!

Mein Nachtbus aus Bilbao kommt um 5 Uhr morgens in Bordeaux an. Wie komme ich von hier aus weiter? Erstmal den Bahnhof finden. Der ist noch geschlossen. Reservierungen im Internet zwischen Bordeaux und Paris und weiter nach Brüssel hatte ich schon erfolglos in Bilbao versucht. In Frankreich kann man auch per Telefon reservieren. Das geht aber nicht für Interrail tickets…

So, jetzt hat der Bahnhof geöffnet. Für einen Euro kann ich mal kurz auf’s Klo und Hände und Gesicht waschen. Nun stehe ich vor einem Fahrkartenautomaten. Die Schalter mit Menschen drin öffnen erst später. Der Automat sagt mir, dass ich besser mit einem normalen Ticket nach Brüssel komme. Circa 250 Euro, also noch mal der Preis meines Interrail tickets. Ich wollte damit eigentlich meine Reisekosten senken. Aber als der Schalter öffnet, geht es plötzlich doch. Ich kann für 20 Euro nach Paris Montparnasse kommen. Wie es weiter geht, soll ich beim Schalter von Eurostar im Gare Paris Nord erfragen. Reservierungen für den Thalys gibt es in den kommenden Tagen für das Interrail ticket definitiv nicht mehr.

In Paris bietet man mir bei Eurostar ein TGV ticket nach Lille Europe an. Eine kleine Umleitung. Dort bin ich dann auf der Warteliste für Brüssel. Preis 10 Euro nach Lille und 30 euro nach Brüssel. Ist schließlich der Eurostar von London nach Brüssel. Lille soll eine schöne Stadt sein. Ich bin nur etwas müde von der Nachtfahrt nach Bordeaux..

Wahrscheinlich  hätte ich bessere Chancen auf Interrail Reservierungen gehabt, wenn ich deutlich füher gebucht hätte. Darauf wurde ich hingewiesen. Aber das gilt angeblich nur für die Hauptreisezeiten im Sommer. Nicht im November. Hätte ich den Billigflieger genommen, wäre ich insgesamt 7 Stunden inklusive Check-in und Check-out unterwegs gewesen für in der Regel unter 100 Euro für beide Strecken. Meine Reisezeit mit Bahn und Bus, einschließlich verpasster Verbindungen und Wartezeiten, betrug insgesamt etwa 70 Stunden. Mit Interrail-Pass plus Reservierungen lag ich noch hundertfünfzig euro unter dem Normalpreis bei rund 500 Euro, immer noch fünfmal so hoch wie die Flugkosten.

Kommen wir nun zum CO2-Fußabdruck für die Reise im Vergleich zwischen Zug und Flugzeug. Darum ging es beim Experiment ja schließlich auch.  12kg CO2 mit der Bahn und Bus gegenüber 417kg mit dem Flieger. Ein erheblicher Unterschied.

Auf einer Karte oder dem Laptop sieht das europäische Eisenbahnnetz großartig aus. Es funktioniert gut und schnell zwischen wenigen Großstädten, aber nicht für die Menschen in ländlichen Gebieten. Das war auch ein großes Thema auf dem Ländlichen Europäischen Parlament in Gijón gewesen.  Mit “Connectivity”, dem Verkehrsentwicklungskonzept der Europäischen Union, wurde bisher  in einige schnelle Bahnlinien investiert während die kleineren Städte und ländlichen Gebiete links liegen blieben. Die Klimakrise wird ein Umdenken dieser Politik und ernsthafte Investitionen in einen kohlenstoff- und frustrationsarmen Verkehr erfordern.

Nie wieder? Non, je ne regrette rien. Hätte ich nicht versucht, nicht zu fliegen, hätte ich die Gespräche mit Ahmed nicht gehabt, dem behinderten Mann aus Marokko; ich hätte nicht um ein Uhr morgens mit dem baskischen Hotelmanager gefeilscht, um Ahmed etwas Schlaf zu kaufen; ich hätte den Bus verpasst, der nie kam, und die Nacht mit den Obdachlosen und den Saisonarbeitern, die mir unglaubliche Geschichten über ihr Leben erzählten; den harten, aber irgendwie ersehnten Platz einer Parkbank, wenn man wirklich müde ist; das ebenso harte Aufwecken durch die Polizei und das Aufwärmen und der Duft im Bäcker-Café; das tief empfundene Gefühl der Dankbarkeit im Nachtzug nach Coimbra 24 Stunden liegen zu können und die frühe Ankunft am wunderschönen Bahnhof von Porto – im strömenden Regen.

Auf dem Rückweg nach Brüssel hätte ich nicht erlebt und verstanden, warum junge Leute auf dem Land bei derart schlechten öffentlichen Verkehrsanbindungen lieber heute als morgen das letzte Mal den Bus in die Stadt nehmen; mir wäre nicht die Frage gekommen, warum die unzähligen Busunternehmen, die dort operieren nicht zusammenarbeiten, um die Dörfer zu bedienen; und ich hätte nicht Busbahnhöfe kennengelernt, die nicht einmal ein Dach für Passagiere haben, – aber doch wenigstens eine Bar in der Nähe mit einem freundlichen Kellner, der mir einige Tassen heißen Zitronentee mit Honig serviert, um meine Halsschmerzen zu kurieren.

Ich hätte die Roboter der künstlichen Intelligenz auf der anderen Seite der Leitung verpasst, als ich nicht mehr weiter wußte und diese meine Geduld testeten, mit endlosen Wahloptionen für keine Lösung; aber schließlich auch die langen freundlichen Gespräche am Schalter und am Telefon mit engagiertem Zugpersonal, die ebenso verzweifelt wie ich einen Weg durch den Dschungel der Teilnahmebedingungen am Bahnfahren suchten.

Schließlich hätte ich den kurzen Moment verpaßt, in dem ich komplett aus der Komfortzone fiel, unerwartet. Aus der Welt, in der alles berechenbar scheint, aber nur für wenige und auch nicht immer wirklich ist. Ich hatte mal eben entschieden, nicht den billigsten oder schnellsten Weg zu wählen, um mich dorthin zu bewegen, wo ich sein wollte.  Mit dem Zug durch Europa zu reisen, anstatt in ein Flugzeug zu steigen, wäre ohne all das reine Theorie gewesen, Spinnerei, solange man es nicht versucht.

Ja, meine CO2-Bilanz war mit dem Zug deutlich besser. Aber beruhigend war das durchaus nicht. Die Bahn wirtschaftet europaweit weiter ab und das bischen Steuer auf den Flugverkehr wird das nicht ändern. Zwischen Himmel und Erde liegen Welten, wirtschaftlich, räumlich und in der Zeit. So ein Experiemnt leistet sich nur ein verrückter gut bezahlter EU Rentner.

Non, je ne regrette rien, – ich bekam eine andere Vorstellung von Entfernung und Zeit, von Verbindungen und Nichtverbindungen zwischen Orten und Menschen, die ich sonst nicht getroffen oder beachtet hätte. Erstaunt es Sie, dass das Reisen per Bahn neue menschliche Horizonte und Begegnungen eröffnet? Mich nicht. Es ist die Entdeckung der Langsamkeit und der Unberechenbarkeit.  Aber im Hinblick auf die Klimakrise ist es die Entdeckung, daß noch immer so getan wird, als könnten wir mit business as usual einfach so weiter machen. Wir können es nicht.

Bahnreisen statt fliegen in Europa? Ich werde es wieder tun. Und ich werde weiter gegen den Wahnsinn des business as usual kämpfen.

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Mit dem Ausgangspunkt von Kattoshu, Fall Nr. 255, und anhand eines aktuellen Vorfalls, spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über den Umgang mit Ärger.
“Was ist der Weg?”, wurde Meister Jimyo (Sekiso Soen, 986-1039) gefragt. “Obwohl auf ihm herumgetrampelt wird, macht er keinen Ärger”, erwiderte Jimyo.
Das Ideogramm für den Weg, ’Dao’, auf das sich hier bezogen wird, wurde während der Einführung des Buddhismus in China benutzt, um den Begriff ’Dharma’ zu übertragen.
Über den Fall, dass wir in Ärger geraten, sagt Christoph Rei Ho Hatlapa: Im Zustand des Ärgers sind wir zunächst in gewisser Weise von unserer Buddhanatur abgeschnitten. In diesem Zustand kann es uns aber möglich sein, aus der Opferrolle heraus zu treten und damit Herr der Umstände zu bleiben. Wir können uns dann klar machen, welche eigenen Gedanken ausgelöst wurden, die den Ärger zur Folge haben und anschließend für unsere Bedürfnisse eintreten. Es geht dann schließlich darum, den Ärger in Tatkraft umzuwandeln.

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Anhand des Koans aus dem Hekiganroku, Fall Nr. 91, spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über den angestrebten Zustand auf dem Weg des Zen.

Der Stier, manchmal auch der “Eiserner Stier” oder das Nashorn steht in der chinesischen Tradition oft als Sinnbild für das verwirklichte Selbst, das mit dem Buddha-Dharma in Einklang lebt. Die Kraft des Stiers oder des Wasserbüffels wird auch als Bild der Vitalität und Entschlossenheit verstanden, beides Eigenschaften, die wichtige Voraussetzungen darstellen um im Zen Fortschritte zu machen.
Dabei geht es nicht um Ideen von “Vollkommenheit” oder dergleichen, sondern darum, echt im Sinne von authentisch mit sich selber zu werden – ganz unabhängig davon ob die Echtheit dann auch irgendwelchen Schönheits- oder anderen Idealen entspricht. Das Programm ist: Echtheit vor Schönheit. Und die Erfahrung der Wesensgleichheit stellt nicht den Endpunkt, sondern einen Ausgangspunkt der Übung dar. Die weitere Übung besteht dann darin, die eigene Erkenntnis im Alltag unterzubringen.
Und irgendwann verliert sich dann der “Geschmack” an den eigenen Einsichten und der allzumenschliche Stolz und die anderen Eigenheiten verschwinden vor dem Bewusstsein, wie ungeheuerlich groß und wunderbar die uns umgebende Welt, die uns unser Dasein schenkt, tatsächlich ist. Und wie verschwindend im Vergleich dazu der Anteil ist, den wir selber zu leisten imstande sind. Erwachtsein und Leerheit/Verbundenheit zeigt sich dann als unsere ursprüngliche Natur; eine Natur, der nichts Besonderes zukommt, die einfach nur ihr eigenes Wesen darstellt. Und wenn wir damit in Kontakt sind, dann können wir auch bei zerbrochenem Fächer noch das Nashorn vorzeigen.

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Christoph Rei Ho Hatlapa erzählt von seinen Begegnungen und Gesprächen mit Oi Saidan Roshi (1915-2018) Oi Saidan studierte Zen unter Ienaga Ichidō vom Tōfuku-ji und war 15 Jahre lang Abt des Manju-ji Sodo (Trainigstempel für Mönchsnovizen) in Oitakan, dem Hauptkloster des Tofuku-ji Zweigs. Er studierte Philosophie an der Universität Kyoto unter Professor Hisamatsu, einem der Nachfolger von Nishida, dem Gründer der philosophischen Schule von Kyoto. Später hielt Oi Saidan eine Professur für Philosophie an der Universität Kobe. Einen der Vorträge von Oi Saidan (Die Unschärfetheorie des Zen) trägt Christoph Hatlapa hier auszugsweise vor und berichtet von damit verbundenen Erlebnissen.

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Die Frage, wie wir mit schwierigen Umständen und mit Kritik umgehen, wurde immer wieder Thema unter den Zen-Praktizierenden. Auch vom japanischen Erneuerer des Zen, Hakuin Ekaku (1685-1798), wird erzählt, dass er einmal fälschlich für Fehlverhaltens angeklagt wurde und wie er darauf reagierte.
Ausgehend von dieser Legende erzählt Christoph Rei Ho Hatlapa vom Umgang mit Anfeindungen und zitiert aus den Bodhidharma zugeschriebenen vier Übungen: “Erfolg und Scheitern hängt von Umständen ab, während der Geist dabei weder verliert noch gewinnt”.

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Anhand des Koan aus dem Hekiganroku, Fall Nr. 89: Ungans ’Der ganze Körper ist Hand und Auge’, spricht Christoph Rei Ho Hatlapa darüber, wie wir durch eine Kooperation mit der Natur und untereinander sowohl für unsere Entwicklung als auch für die Entwicklung der Natur eintreten können. Besonders geht er dabei auf die Qualitäten ein, die durch den vielarmigen Bodhisattva Avalokiteshvara dargestellt werden: Zuhören und Tatkraft.

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