Z00260 Ein Gipfel ist nicht weiß (Rohatsu 04.12.2025)

Im 15. Fall des Kattōshū fragt ein Mönch Tsao-shan Pen-chi: »Schnee bedeckt die tausend Berge, warum ist ein Gipfel nicht weiß?« Tsao-shan antwortet: »Du solltest den Unterschied innerhalb des Unterschieds erkennen.« Er fügt hinzu: »Er lässt sich nicht dazu herab, die Farbe der anderen Berge anzunehmen.« Christoph Rei Ho Hatlapa vergleicht die Berge mit meditierenden Mönchen und die weißen Gipfel mit ihren kahlen Köpfen. Doch warum ist ein Gipfel nicht weiß? Als der spätere Zen-Patriarch Hui Neng ins Kloster eintrat, unterschied er sich von den Mönchen nicht nur dadurch, dass er kleinwüchsig und Analphabet war, sondern auch dadurch, dass er die Zeichenlosigkeit der Zeichen im Sinne des Diamant-Sūtra unmittelbar erkannte und den Buddha in allen Dingen sah. Zeichen sind die Objekte unserer Wahrnehmung, die uns leicht täuschen können. Die Klarheit unserer Wahrnehmung hängt nicht davon ab, dass wir wie eine Kamera in die Welt blicken, sondern dass wir tiefer schauen. Weisheit im buddhistischen Sinn bedeutet Einsicht in das abhängige Entstehen der Dinge, also das Erkennen, dass jedes Element aus anderen Elementen hervorgeht und alles mit allem verwandt ist im Kontinuum der Zeichenlosigkeit. Erst wenn wir diesen Zusammenhang wirklich durchdringen, haben wir Zugang zur wahren Wirklichkeit, in der auch der Tathāgata aus Nicht-Buddha-Elementen besteht. Alles, was ihn ausmacht, macht auch uns aus. Das Reine umfasst das Unreine. Im Buddhismus gilt die Non-Dualität als das wesentlichste Merkmal der Liebe. Mit den Augen dieser organischen Liebe betrachtet, existiert nichts, was wir nicht respektieren könnten – und mit ihr ließen sich sämtliche Probleme der Welt lösen. Der wahre Unterschied kennt keine Dualität. Das bedeutet, den Unterschied im Unterschied zu erkennen. Er ist zeichenlos, grenzenlos und allumfassend.

Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende:
Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website https://choka-sangha.de/spenden/
Herzlichen Dank