Z00270 Der wahre Schüler des Weges schaut nicht auf die Mängel der Welt. (Sommer-Sesshin 07.07.2026)

In Abschnitt XIII des Rinzai-Roku beschreibt Rinzai wahre Einsicht nicht als Rückzug aus der Welt, sondern als die Fähigkeit, sich sowohl auf das Heilige als auch auf das Schmutzige, auf Entstehen und Vergehen, einzulassen. Wer dies verwirklicht, erkennt die Freiheit der Nichtabhängigkeit und das ursprungslose Wesen allen Lebens.

Doch unsere Kultur richtet den Blick ständig auf persönliche, gesellschaftliche und politische Defizite und nährt so den Eindruck eines feindlichen Universums. Wie kann es gelingen, trotz aller Erschütterungen aus dem Vertrauen zu leben, dass das Universum im Grunde freundlich ist? Im Zentrum dieses Teishos steht die Frage, wie sich der Blick von den Mängeln der Welt hin zu ihrer Fülle und Lebendigkeit wenden lässt.

Christoph Rei Ho Hatlapa lädt anhand sehr persönlicher Erfahrungen dazu ein, Leid und Verlust nicht auszublenden, sondern als Teil des So-Seins zu betrachten. Wenn wir aufhören, die Welt vor allem unter dem Gesichtspunkt des Mangels wahrzunehmen, können Schönheit, Wertschätzung und Lebendigkeit neu sichtbar werden. Vielleicht beginnt wahre Einsicht genau dort, wo unsere Vorstellungen von Begrenzung ihre Selbstverständlichkeit verlieren, und wir lernen, uns der Wirklichkeit anzuvertrauen.

Wer dies verwirklicht, für den gibt es nur den Menschen des Weges, der von nichts abhängig ist. Ihn bezeichnet Rinzai als die Mutter aller Buddhas. Und weiter heißt es: »Deshalb werden Buddhas aus der Nichtabhängigkeit geboren. Einmal zur Nichtabhängigkeit erwacht, muss auch kein Buddha mehr erlangt werden.«

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