Z00116 Absichtslosigkeit und die dreifache Weisheit (Teisho vom 11.7.2020)

Meister Chosa ist bei seinem Spaziergang nicht zielstrebig unterwegs; jedenfalls nicht in unserem Sinne von Zweckdienlichkeit.
Chosa war Schüler von Nansen, zu seinen eigenen Schülern gehörte Kyosan. Als Kyosan seinem Lehrer gegenüber seine Ergriffenheit zeigt, bringt der Lehrer ihn sofort handgreiflich zurück in die unmittelbare Gegenwart.
Kommen und Gehen geschieht für den Meister Chosan im Einklang mit der ursprünglichen Weisheit, der Weisheit des Tatagatha. Im Avatamsaka Sutra heißt es dazu: “Es gibt keinen Ort, den die Weisheit des Tatagatha nicht erreichte. Es gibt kein einziges empfindendes Wesen, das nicht im vollen Besitze der Weisheit des Tatagatha wäre. Nur aufgrund ihres falschen Denkens, ihrer Täuschung und ihrer Anhaftung vermögen die Wesen dies nicht zu erkennen. Wenn es ihnen nur gelänge, ihre irrigen Gedanken aufzugeben, würden sich die allumfassende Weisheit, die spontane Weisheit und die ungehinderte Weisheit von selbst in aller Klarheit manifestieren.”

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Z00115 Den eigenen Geist klug gebrauchen und den Segen des Buddha-Dharma weitergeben (Teisho vom 10.7.2020)

In diesem Vortrag spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über die Wirkung des Zen-Weges in seinem eigenen Leben und von der Übungspraxis als Kraftquelle. Zur Tradition der Lehren des Buddha gehört auch die Weitergabe dieser Tradition, die “Weitergabe der Leuchte”. In diesem Sinne geht es für uns darum, als Gemeinschaft kreativ zu werden und den Segen des Weges für die nächste Generation sichtbar zu machen. Es geht dabei darum, zu lernen unseren Geist in Übereinstimmung mit den anderen Wesen klug zu gebrauchen. Und uns an den Früchten der Kooperation auf diesem Planeten zu erfreuen.

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Z00114 Die Erscheinungen und das Wesen der Einheit Oder: Die gegenseitige Durchdringung und Ermöglichung aller Phänomene und Wesen (Teisho vom 8.7.2020)

Alle Dinge, so fragt ein Mönch Meister Joshu, kehren – nach der Lehre des Avatamsaka Sutra – in das Eine zurück. Wohin aber kehrt das Eine zurück? Aus der Einsicht und der Übung ergibt sich die Konsequenz, die gegenseitige Durchdringung und Ermöglichung aller Phänomene und Wesen zur Kenntnis nehmen und in unseren Entscheidungen und Handlungen zu realisieren.
In den Lehren der Kegon-Schule heißt es, dass Alle Dinge aus den “drei Reichen”, nämlich aus dem Reich der Formlosigkeit, dem Reich der Form und dem Reich des Begehrens oder des Intentionalen, jeweils auf “das Eine” zurückgehen.
Nach der Lehre des Kegon werden vier Dharmadhatu – Bereiche oder Erscheinungsformen – unterschieden:
Das Dharmadhātu des Li’ (jap. ri) ist der Breich des einen Prinzips der śūnyatā.
Das Dharmadhātu des Shih’ (jap.: ji) Shih kann etwa mit ‘Bereich’ des Relativen und aller Dinge und Phänomene übersetzt werden.
Das Dharmadhātu der Nichtbehinderung von Li durch Shih’. Dieses Reich wird als das “Reich der gegenseitigen Durchdringung zwischen Absolutem und Phänomenen” angesehen.
Das Dharmadhātu der Durchdringung zwischen Shih und Shih’. Dieses Reich (Sanskrit: dhātu) ist “das Reich der gegenseitigen Durchdringung der Phänomene”.

In unserem Fall geht es um das Verhältnis der Einzeldinge und Wesen zum übergreifenden Einen. Joshu antwortet auf die Frage nach diesem Verhältnis mit dem Verweis auf ein sinnlich erfahrbares Ding, sein selbst gemachtes Hemd aus Hanf. Das solide Hemd aus robustem Hanfgarn besteht aus einzelnen Fäden und die einzelnen Fäden erfüllen ihre Funktion im Gewebe des des Hemdes. Das Hemd lässt sich auf die Fäden zurückführen und die Fäden finden ihren Zusammenhang und ihre Nützlichkeit als Hemd. Über diesen Bezug zwischen Einzelphänomen und übergreifendem Ganzen hinaus legt die Kegon-Philosophie noch besonderen Wert auf die gegenseitige Durchdringung der Einzelphänomene. Jedes Einzelphänomen, jedes einzelne Wesen, jeder einzelne Mensch, wird erst dadurch lebendig und aktiv, dass es oder er mit allen anderen Phänomenen in unmittelbarer gegenseitiger Durchdringung existiert. Diese gegenseitige Verbindung und Durchdringung aller Phänomene und Wesen begründet die Einheit von Erkenntnis und Mitgefühl.

Z00113 Das Erwachen zu unserem ursprünglichen Potential (Teisho vom 7.7.2020)

Auf dem spirituellen Weg stellen wir uns der Herausforderung, die Welt einschließlich unserer Selbst erst einmal so zu akzeptieren, wie die Welt ist und wie wir selbst sind. Und auf dieser Basis baut dann die Möglichkeit auf, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. In der gegenwärtigen Corona-Krise ergibt sich die Chance, das eigene Leben zu entschleunigen. Und in Erwartung der Rückkehr zur sogenannten Normalität des Funktionieren-Müssens und des Wachstums stellt sich die Frage, was ein ernst genommenen Selbstverantwortung bedeutet. Weil wir im bloßen Funktionieren und Weitermachen-wie-bisher aus der Verantwortung für die Konsequenzen des eigenen Handelns fliehen.
Wenn es uns um das Erwachen geht, dann stellt sich uns die Frage: wozu wollen wir erwachen? Und in der Praxis der Übung können wir die ursprüngliche nicht-korrumpierbare Buddhanatur, die in jedem von uns verborgen ist, kultivieren und in ernst genommenem selbstverantwortlichen Handeln realisieren. Dann kann “jeder Tag ein guter Tag” sein.

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Z00112 Dana und die 6 Vollkommenheiten (Teisho vom August 1999)

Christoph spricht über Dana (übersetzt als Freigebigkeit oder Großzügigkeit) im Verständnis jenseits von materiellem Wert. Welche Art von Reichtum haben wir tatsächlich zu geben?
Ein Beispiel ist unsere Präsenz, die wir unserem Gegenüber schenken, in Form als Einfühlung, als Verständnis, als gute Kommunikation. Aber auch Versöhnung, Dankbarkeit oder Raum geben für Entwicklung oder Klarheit, kann als Dana verstanden werden.
In unserem erwachsenen Leben, haben wir manchmal die Vorstellung, dass unsere Batterie leer sei. Geben fühlt sich dann als einseitiger Prozess an.
In der Zen Übung können wir eine andere Form von Geben erfahren: Geben als Prozess des Durchströmt-werdens; wie bei einem Kanal; hier fließt die Energie ab, dort fließt neue Energie zu.
Wir können dem Strömen eine Richtung geben – aber, das Strömen kommt von alleine, wenn wir es zulassen.
Die meisten Dinge, die wir zu geben haben, sind nicht in Mark und Pfennig zu berechnen.
Wir können ein Tempel ohne Tor sein. (Abschlussgeschichte).
Erklärung der 6 Paramitas:
Paramita = Prozess des Transzendierens (Die sechs Tugenden/Vollkommenheiten)

Dana – Großzügigkeit
Sila – „Verkehrsregeln auf dem Weg der Erleuchtung“ (Richtlinien)
Kshanti – Weitherzigkeit (Geduld)
Virya – Entschlusskraft
Dhyana- Besonnenheit (Versenkung)
Prajna- Weisheit / Einsicht

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Z00111 Chinso Shosho besucht Shifuku (Teisho vom Januar 1997 HE 33)

Shifuku, der Zenmeister hier, zeigt in diesem Koan auf sehr feine Weise, sehr subtil, um was es geht. Er zeichnet den Kreis, das tiefste Symbol des Zen, in die Luft. Ohne eine Spur zu hinterlassen.

Der Kreis ist nicht nur ein Symbol der Leerheit, sondern zeigt auch die Entwicklungsstufen, die wir auf dem Zenweg durchlaufen. Der Zenweg ist ein Weg in die Freiheit.

Christoph Hatlapa spricht über die Vision des Zen, über den Weg in die vollständigen Freiheit und die verschiedenen Phasen, die wir auf dem Weg zur Freiheit durchschreiten, anhand von Beispielen aus seinem Leben.

Was ist das Geheimnis der Existenz? Was heißt es frei zu leben?

Was aber ist Freiheit?
Immer wieder gibt es Phasen in denen man sich frei fühlt, in denen man sich persönliche und gesellschaftliche Freiheiten erkämpft hat –  bis man plötzlich wieder von etwas erschüttert wird, berührt wird und sich erneut unfrei fühlt.

Auch an Freiheit kann man anhaften.

Welche Vision des Zen wirkt auf dich? Auf welcher Ebene unseres Wesen wirkt die Übung? Welches Bild, welche Vision erwärmt dein Herz? Wie folge ich diesem Herzenswunsch?

Gegen Ende des Teishos stellt uns Christoph diese Fragen eindringlich und persönlich.

In dem Koan verlässt Shifuku, nachdem er den Kreis in die Luft gezeichnet hat, den Raum.

Wann kann der Zenmeister gehen und die Türe hinter sich schließen?

Z00110 Der alltägliche Geist ist der Weg

Anhand des Koan aus dem Mumonkan, Fall Nr. 19, spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über den Zusammenhang von spirituellem Weg und dem “gewöhnlichen” Alltag.
Der Weg, so erklärt der alte Meister Nansen, ist keine Angelegenheit von Wissen oder Nicht-Wissen. Statt dessen zeigt er sich dem Einsichtigen als so weit und grenzenlos wie das Universum.
Der Begriff “Weg”, chinesisch “Dao” wurde in China benutzt um den buddhistischen “Dharma”, also das “Gesetz des Großen Lebens”, zu übertragen. Und dieser “alltägliche Geist”, im Chinesischen dargestellt mit einem Zeichen, das sowohl “ewig” als auch “gegenwärtig” bedeuten kann, wird von uns entwickelt im Spagat zwischen dem Streben nach Verbundenheit und der eigenen Souveränität. Im idealen Fall können wir Autonomie und Verbundenheit gleichzeitig entwickeln. Dieses Bestreben ist uns von Geburt mitgegeben und auch Ausdruck unserer Buddhanatur. Lässt sich aber eine integrative Verbindungen zwischen diesen beiden Bestrebungen nicht herstellen, tritt oft die Angst um das Angenommensein dazwischen. Dann versuchen wir, alles richtig zu machen und kategorisieren die Welt in “Richtig” und “Falsch”. Den Aspekt der Grenzenlosigkeit, der für die unvoreingenommen wahrgenommenen Welt kennzeichnend ist, können wir dann kaum noch erfassen.
Der Zen-Weg kann uns dann dabei helfen, aus der Welt der Beurteilung und der Selbst-Beurteilung wieder herauszufinden. Dieser Weg ist ein Weg der Befreiung, auch ein Weg der Befreiung aus dem alles beherrschenden “Du bist verkehrt! Ich bin verkehr!”. Dann können wir in die Welt des So-Seins eintreten, in der Beschuldigungen, Bewertungen und Konkurenzgedanken aus dem Zentrum rücken die Nicht-Grenzenhaftigkeit und Wesensgleichheit des Universums spürbar wird.

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Z0109 Imagozellen der Transformation. Vortrag in Hannover am 16.2.20

Im Prozess des Erwachens, der in der Zen-Schulung gefördert wird, kommt es auf das stimmige Verhältnis der Bemühungen von Lehrer und Schüler an. In der Einschätzung der jeweiligen Verantwortung für den Erfolg des Erwachens kann es dabei, besonders bei uns im Westen, leicht zu einer Unterschätzung der Selbstverantwortung des Schülers kommen. Shinichi Hisamatsu, der philosophische Lehrer von Oi Saidan Roshi legte deswegen großen Wert auf den Prozess der “Wechselseitigen Teilhabe direkter Selbsterforschung”. Nach Hisamatsu geht es auf dem Weg des Erwachens zentral um die Frage: Wie erwecke ich das “Formlose Selbst”, an dem alle Wesen Anteil haben, in mir selber. Und zwar auf eine Art und Weise die zu dessen Manifestierung führt.
Das “Formlose Selbst” können wir zum Beispiel auch als Gruppenwesen erleben. Jede miteinander kooperierende Gruppe zeigt ein Gruppenwesen, das auch nichtphysische Bedürfnisse haben kann. Zum Beispiel das Bedürfnis nach Leitung, Wachstum oder Hamonie. Als Mitglieder einer Gruppe, von der Lebenspartnerschaft bis zur Menschheit als Ganzer, hat jeder Einzelne von uns eine Verantwortung dafür, sich für das Gruppenwesen einzusetzen. Genauso wie wir als Einzelne von einem gedeihenden Gruppenwesen profitieren können. Shinichi Hisamatsu betonte in seiner Lehre das notwendige Erwachen zum Bewusstsein an dieser unserer jeweilige Teilhabe am großen “Formlosen Selbst” des Universums.
Dieses formlose Selbst kann sich in uns selber auch als ein Bedürfnis nach Echtheit und Integrität äußern. Ein Bedürfnis, das durchaus mit der gesellschaftlichen Forderung nach Funktionierenkönnen in Konflikt geraten kann.
Indem wir still werden und nach Innen schauen und horchen, können wir dieses Formlose Selbst in uns selber wahrnehmen und damit in Kontakt kommen. Dann können wir mit dem Handeln und der Entwicklung und den Manifestationen dieses Formlosen Selbstes kooperieren. Und dann können wir zu Imagozellen einer heilsamen Transformation werden.

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Z0108 Der wahre Mensch ohne Rang im Klimawandel (Teisho vom 15.3.2020 in Potsdam)

Neben den Koansammlungen wird im Zentraining der Rinzai-Tradition auch die Sammlung mit biographischen Anekdoten über Meister Rinzai als Koansammlung bearbeitet.

Der wahre Mensch ohne Rang … – so bezeichnet Meister Rinzai (chinesisch: Linji Yixuan, gest. 866) den Menschen, der zu seiner ursprünglichen Natur erwacht ist. Was dieses Erwachen aber im Wesen ausmacht, das ist, so heißt es im Zen, nicht in Worten auszudrücken. Dasjenige, um das es auf dem Zen-Weg geht, kann nicht benannt werden.
Dieser “wahre Mensch”, der mit dem nicht wirklich begrifflich fassbaren Dao im Einklang lebt, stand auch schon bei Lao Tse und in der Anekdotensammlung des Tschuang Tse im Mittelpunkt. Die buddhistische Tradition, die wir als Zen kennen, übernahmen im China der Tang-Zeit nicht nur die Metaphorik aus dem Daoismus, sondern auch eine sehr lebenspraktische Haltung gegenüber dem Alltag.
Unser Alltag des Konsums und des Wachstumszwangs wird sich auf dem Weg zu einer von Mitgefühl und Weisheit geleiteten Gesellschaft in der Gestalt ähnlich dramatisch verändern müssen, wie die morphologische Wandlung von einer Raupe zu einem Schmetterling verläuft. Noch können wir uns eine lebensdienliche Gestalt unseres Alltag genauso wenig vorstellen, wie sich vielleicht eine Raupe die Gestalt eines Schmetterlings vorstellen kann. Aber diejenigen Zellen, die den Wandeln initiieren, sind bereits aktiv. Wir können uns jetzt für die Impulse aus diesen Zellen, die den Wandel in Gang setzen, öffnen. Der wahre Mensch, von dem Meister Rinzai sprach, braucht allerdings, um sich zu zeigen und zu entwickeln, unsere Praxis und unsere Übung.

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Z0107 Die Arbeit an der inneren Haltung (Teisho vom 12.1.2020)

Wer sein inneres Zentrum, sein ’Ki’, geübt hat, reagiert nicht mehr schematisch und voraussehbar auf seine Mitmenschen; so erläutert Christoph Rei Ho Hatlapa in diesem Vortrag anhand des Beispiels Nr. 25 aus dem Hekiganroku. Dort wird die “Götterperspektive” derjenigen kritisiert, die sich über gewöhnliche menschliche Belange erhaben wähnen. Diese Haltung ist nämlich, wie das Koan erläutert, kein Ort an dem man bleiben kann. Nach der in der Meditation erarbeiteten Einsicht in die Wesensgleichheit bleibt uns die entscheidende Aufgabe der Umsetzung und Integration dieser Erfahrung in den eigenen Alltag. Als Orientierung für diesen Prozess sprach der der Buddha von den sogenannten vier analytischen Wissen:

1.: Das Potential zum Erwachen;

2.: Die Erkennbarkeit der Gesetze des Großen Lebens;

3.: Die lebensdienliche Sprache (die eine Erkenntnis des Dharma vermittel);

4.: Die Integration der Einsicht durch Übung.


Wer auf dem Übungsweg an seiner inneren Haltung arbeitet und die “Buddhaschaft” kultiviert, kann erleben, wie sich dann auch der ganz gewöhnliche Alltag verändert.

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