Z0091 Angulimala und die schwere Geburt (Teisho vom 8.6.2019)

Im Kattoshu, Fall Nr. 173, wird eine Erzählung aus dem Angulimala-Sutra angesprochen. Und es wird die Frage thematisiert, worauf es bei der Charakterbildung ankommt: auf die Geburt, wir würden sagen, auf die Erbanlangen, oder auf die Erziehung. Anhand der Geschichte des Gewalttäters Angulimala, der vom Buddha in die buddhistische Sangha aufgenommen wurde, wird deutlich, wie eine Begegnung mit dem Buddha-Dharma lebensverändernd wirken kann. Bis dahin, dass ein Wandel möglich wird, der nur mit einer (Wieder-) Geburt verglichen werden kann. Vom tiefen Vertrauen des Buddha in JEDEN Menschen getragen, entwickelte sich, so die Legende, der Verbrecher Angulimala zu einem vorbildlichen Mönch.
Für uns, die wir auch oft in kleinere oder größere Machtinteressen verstrickt sind, kann eine Wende darin liegen, im Alltag wirksam tiefes Mitgefühl anzuwenden.

Z0090 Joshu’s Eiche im Garten (Teisho vom 7.6.2019)

Der indische Mönch Bodhidharma kam um 420 in China an und meditierte in der Nähe des jetzigen Shaolin-Tempels in einer Höhle neun Jahre mit dem Gesicht zu einer Wand. Er hatte, soweit uns überliefert ist, vier Schüler. Heute berufen sich Millionen von Buddhisten auf die Tradition, die er begründete.
Für uns geht es darum, so erläutert Christoph Rei Ho Hatlapa, den Aspekt von Bodhidharma in uns selber zu erwecken. Aber wie kann das gehen? Joshu antwortet auf die Frage danach: Die Eiche! – Oder, wie eine andere Übersetzung lautet: Der Wacholder.
Ein knorriger Eichbaum – oder ein großer Wacholder – ist vielleicht für den Zimmerman und den Tischler nicht zu gebrauchen, aber eine Eiche bietet tausenden von Kleintieren Lebensraum, sie filtert die Luft und sie produziert den Sauerstoff, den wir atmen. Eine Eiche bringt die Luft zum Atmen hervor und bietet dem Leben Raum. In einem solchen Baum können wir eine vitale, massive und stabile Verbindung zwischen Himmel und Erde erkennen. Und in der Übung geht es für uns darum, uns selber diesen Aspekt anzuverwandeln und IN UNS ein solches Verhältnis zu Himmel und Erde zu entwickeln. Und speziell die Zeit während der Übung eines Sesshins, auch mit ihren kleinen Einschränkungen was den gewohnten Komfort angeht, kann uns dabei helfen unser Leben zu verwesentlichen. Wenn wir auf diesem Weg – vielleicht vom Bild einer Eiche inspiriert – vorankommen, können wir uns schrittweise aus der Gefangenschaft einer gegenständlichen Sicht auf die Welt befreien und selber die Qualität der Verbindung zwischen Himmel und Erde in uns entwickeln.

Z0089 Die 3 Kategorien und die 5 Skandas (Teisho vom Juli 2000)

Teisho von Juli 2000

Christoph Rei Ho Hatlapa spricht in diesem Teisho über die 18 Sinnesbereiche (Form, Geruch, Ton, Geschmack, Empfindungen, Geistesobjekte /Augen, Ohren, Nase, Zunge, Leib, Geist/ Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen, Denken), die wir in der Zenpraxis erforschen und die uns permanent dazu verführen eine Identität aufzubauen und zu kultivieren.

Für den Buddha war es essentiell diese identitätsstiftenden Bereiche klar zu durchleuchten, sie tief zu erforschen. Er hat festgestellt, dass die Entwicklung von Identität mit den Bereichen, zu Leid führt.

Wenn wir wirklich ernsthaft forschen, stellen wir fest: Da gibt es gar kein Ich. Der Gedanke ist ein Gedanke. Gedanken kommen und gehen. Wir wissen nicht, woher sie kommen. Es ist sinnlos, zu sagen, das ist mein Gedanke, denn es gibt kein „mein oder dein“.

In diesem Teisho hören wir, wie fein die Erforschung der Sinnesbereiche aufgebaut ist. Zunächst beginnen wir mit dem Körper, der Sitzhaltung – wie wir sitzen, so ist unser Geist.
Und erforschen dann sukzessive weiter, was in das Feld unserer Achtsamkeit kommt.

Es lohnt sich, die Welt, die sich uns zeigt, in dem Moment, in dem wir nach innen leuchten, zu durchdringen, damit wir uns nicht identifizieren und somit das Leid verringern. All das, woran wir hängen, all die Gewohnheiten, Gedankenmuster, die unsere innere Welt geprägt haben, in allen 5 Wahrnehmungsbereichen, durchleuchten, bis zu der Frage: Wer ist es?

Und einfach sein lassen.

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Herzlichen Dank

Z0088 Achtsamkeit und Konsequenz (Teisho vom 12.1.2019)

Zazen zu üben, so erklärt Christoph Rei Ho Hatlapa in diesem Vortrag während eines Anfängersesshins, bedeutet, erwacht und mit Freude zu leben. Anhand des Koans von Joshus “Wasche deine Schalen!” (Mumonkan Nr. 7) stellt er dar, was es bedeutet, sich auf das Üben einzulassen und dann auch über die eigenen Einsichten hinaus Konsequenzen aus der Übungspraxis zu ziehen. Vollständiges Handeln, so wird dann mehr und mehr klar, bedeutet auch, sich des eigenen Tuns und Lassens bis in die letzten Konsequenzen klar zu werden und sich darin zu üben, diese Klarheit in konsequentes Handeln umzusetzen.

Z0087 Umgang mit ethischen Fragen innerhalb der buddhistischen Sangha (Teisho vom 10.3.2019)

Z0086 Den inneren Einklang finden, der uns zum Ausdruck unserer wahren Natur macht (Teisho vom 9.3.2019)

Z0085 Der heilige Geist im Zen (Teisho vom Pfingstsesshin 2000)

Teisho vom Pfingstsesshin 2000 – Shoju Roku Fall 4

Pfingsten wird von Christen als Entsendung des Heiligen Geistes gefeiert. 

Apostel und Jünger erfahren 49 Tage nach der Auferstehung Jesu, die sogenannte Ausgießung des Heilige Geistes. Dieses Ereignis wird als ein außergewöhnlichen Zustand beschrieben, ein Sturm der über den Platz kam, einer Ekstase gleich, eine Art kollektiver Trance, die hellwach macht und den Festbesuchern, die aus verschiedenen Ländern kamen, den Eindruck vermittelte, die Aposteln würden plötzlich in ihrer jeweiligen Muttersprache sprechen („Pfingstwunder“). Dies wirkte auf einige so, als wären die Apostel betrunken oder irre. Und einige bekamen auch Angst. 

Dieser lebendige Sturm des Heiligen Geistes weht, wo er will. Auch hier und jetzt. 

Das starke Erlebnis der Jünger an Pfingsten können wir als Erleuchtungserlebnis, vielleicht auch als Dharmaübertragung verstehen. Wenn uns das geschieht, wenn wir unserer tiefsten Einsicht Ausdruck verleihen, kann das absolut ekstatisch sein, wir sind tief erschüttert, die üblichen Grenzen unserer Wahrnehmung sind gesprengt. Wir sind plötzlich wirklich und wahrhaftig ganz und gar lebendig, mit Haut und Haar. Wie der Roshi gesagt hat“ Zazen is Ecstasy!“ 

Christoph fragt in diesem Teisho, was ist es denn, was wir suchen, wenn wir uns auf den Zenweg begeben? Und eine Antwort ist: Lebendigkeit! Das wirkliche Leben. 

„Wenn ein Mensch die ganze Lehre und alle Gebot erfüllt hat, aber die Wonne und das Entbrennen hat er nicht gehabt, wenn der stirbt und hinübergeht, öffnet man ihm das Paradies. Aber weil er in der Welt die Wonne nicht gefühlt hat, fühlt er auch die Wonne des Paradieses nicht.“ Martin Buber. 

Z0084 Rinzai über wahre Einsicht und Vertrauen (Teisho vom 08/1999)

Teisho vom August 1999

Christoph Rei Ho Hatlapa spricht hier über die Kraft von Einsicht und Vertrauen durch die Übung. 

Durch Vorstellungskraft können sich unsere natürlichen Bedürfnisse ins Monströse entwickeln: Wenn uns etwas gefällt, wollen wir mehr davon und es muss genau so sein, wie wir es haben wollen. Das natürlich Bedürfnis etwas zu essen oder Sex zu haben, kann sich dann in unheilsame Begierde verwandeln. Begierde ist eines der sogenannten „5 Hindernisse“. 

In den Hindernissen aber wurzeln unsere „5 Fähigkeiten“, die sich durch Übung in Kräfte verwandeln können:  Vertrauen, Tatkraft, Achtsamkeit, Sammlung und tiefe Einsicht (Weisheit). 

Rinzai spricht in diesem Text über die erste und letzte Fähigkeit: Vertrauen und Einsicht – und vor allem über Selbstvertrauen. 

„Wenn es euch an Selbstvertrauen mangelt, dann taumelt ihr herum, folgt den verschiedenen Umständen und werdet von den 10.000 Dingen hin-und hergeworfen, ohne Freiheit zu erlangen. 

Wenn ihr die Gedanken eures ununterbrochen herumsuchenden Geistes beenden könnt, dann seid ihr nicht verschieden von den Patriarchen und Buddhas.“

Z0083 Das 9. und 10. Silas – Mich nicht von Gefühlen der Wut mitreißen lassen. Nicht die drei Kostbarkeiten, Buddha, Dharma, Sangha, lästern (Teisho vom 30.9.2018)

Christoph Rei Ho Hatlapa spricht in den Vorträgen des Herbstsesshin 2018 über die weiterführenden Silas (Gelöbnisse) 6 bis 10

In der Tradition des Zen kennen wir Meister, die dramatische Ausdrucksmittel verwendeten, sich dabei aber gleichwohl eben nicht von Wut und Ärger mitreißen ließen.
Für uns geht es darum, die Anlässe zu nutzen, um sich der eigenen Gedanken klar zu werden und dann wieder mit dem lebendigen Geschehen und mit den eigenen Bedürfnissen in Kontakt zu kommen. Indem sich uns die Auslöser von Wut und Ärger, die eigenen Gedanken, zu erkennen geben, können wir unsere dahinter stehenden Bedürfnisse erkennen und wieder Verantwortung für unseren Ausdruck und unser Handeln übernehmen.
Zu Sila Nr. 10: Nicht die drei Kostbarkeiten, Buddha, Dharma, Sangha, lästern.
Zunächst einmal geht es hier darum, selber mit den drei Kostbarkeiten achtsam unzugehen, indem wir erst einmal unser eigenes Potential zum Erwachen ehren. Und uns dann vor dem Inbegriff der Gesetze des Großen Lebens, also dem Dharma, verbeugen. Zu diesen Gesetzen gehört auch die Bereitschaft, Fehler zu machen, da ohne diese Bereitschaft gar keine Entwicklung möglich wäre.
Auf diesem Weg trägt uns die Sangha, die Gemeinschaft der Übenden, und ermöglicht uns, wirklich tief in die Übung hineinzukommen.
Wenn die alten Zenmeister deutlich werden, dann weisen sie darauf hin, dass wir von Konzepten gehemmt werden. Sie weisen uns damit auch immer wieder darauf hin, die Überlieferung an unserer eigenen Erfahrung zu überprüfen.

Z0082 Das 8. Sila – Den Überfluss des Dharma nicht eigenmächtig zurückhalten (Teisho vom 29.9.2018)

Christoph Rei Ho Hatlapa spricht in den Vorträgen des Herbstsesshin 2018 über die weiterführenden Silas (Gelöbnisse) 6 bis 10

Es geht hier darum, sich in den Fluss des Lebens hinein zu bewegen. Unsere Großzügigkeit kann sich auch schon in der Übung einer mitfühlenden und freundlichen Sprache zeigen.
Die Übung besteht darin, die in der Kindheit angenommene Vorstellung einer uns gegenüber- und entgegenstehenden Welt allmählich wieder zu lösen. Dann können wir aus der Welt des Mangels und aus der Opferhaltung in die Welt der Fülle und der Wunder hineinwachsen.