Z0112 Medizin und Krankheit heilen sich gegenseitig (Teisho vom 27.11.2020)


https://youtu.be/8tRvFhfMzEU

Wir sind gleichzeitig Kinder der Erde und Kinder der Grenzenlosigkeit. “Grenzenlosigkeit” im Sinne des Hannya Shingyo: “Grenzenlosigkeit ist nicht verschieden von Form und Form ist nicht verschieden von Grenzenlosigkeit”. (’Shunyata’, sinojap.: ’ku’, wird hier nach Kazuaki Tanahashi als ’Unboundedness’, also als ’Unbegrenztheit’ verstanden; im Sinne der Eigenschaften aller Daseinselemente, die buddhistisch als ohne Eigensubstanz und als untrennbar miteinander verwoben erkannt werden.) Im Herz-Geist, in Bodhicitta, im Erleuchtungsgeist, kann unser Geist zur Verbundenheit mit den Mitmenschen und der Mitwelt erwachen.

Eine gelungene Verbindung beschreibt der Soziologe Hartmut Rosa mit der Metapher ’Resonanz’. Zu dieser Resonanz gehört:
Wir werden wirklich berührt und ergriffen.
Wir erleben uns als selbstwirksam. Im Daoismus wird von Wu wei gesprochen, vom absichtslosen Handeln in Übereinstimmung mit der Mitwelt.
Im Wechselspiel von Berührt-werden und Antworten verwandeln wir uns selbst.
Die Resonanzbeziehung ist grundsätzlich ’unverfügbar’; Resonanz ist keine Ressource, auf die wir beliebig zugreifen können und sie bleibt unserer Kontrolle existentiell entzogen.
In einer solchen Resonanz können wir – nach Umon – gar nicht anders als ’Medizin’ zu erwecken. Und wenn wir die ’Medizin’ im Sinne Umons erweckt haben, können wir nicht anders, als uns mitfühlend und hilfreich zu verhalten.
Und Umon fragt dann: Wo findest du dich selbst? Das heißt: Wo bist du selbst in diesem Prozess des durch Resonanz geleiteten Eingreifens in die Welt?

Z0111 Zufluchtnahme-Zeremonie (Teisho vom 11.10.2020)

Anlässlich einer Zufluchtnahme-Zeremonie spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über die ersten fünf Silas,verstanden als Übungsempfehlung in Form einer universellen Ethik:

  1. Nicht töten und Leben erhalten. – Es geht darum, das Leben zu fördern (“Bring up all beings!” – Oi Saidan Roshi)
  2. Nichts nehmen, was nicht gegeben ist. Großzügigkeit üben. – Weil das Leben eine großzügige Veranstaltung ist!
  3. Kein sexuelles Fehlverhalten.
  4. Wahrhaftigkeit praktizieren. Anderen und sich selbst gegenüber.
  5. Den Geist nicht trüben und Klarheit bewahren. – Besonders auch in Bezug auf die zunehmende Abhängigkeit von Social Media.

Z0110 Mit dem Unerklärlichen praktisch umgehen (Teisho vom 10.10.2020)

Shumon Kattoshu, Fall 231(221)

Changshi schaut ein Polospiel an, geht es um die Beziehung zu den Wesen und Dingen dieser Welt.
Sogar mit Werkzeugen, Maschinen und Heizungsanlagen können wir in eine rein mechanistisch gegenständlich oder aber in eine angemessene Art und Weise der Beziehung treten. Wenn wir dann mit einer Blume oder einem Stein zu tun haben, dann analysieren wir die Blume nicht nur und benutzen den Stein nicht nur sondern “werden” gewissermaßen Blume, “werden” Stein. In einem Universum, das unermesslich weit über unser Fassungsvermögen hinausgeht, haben wir es ständig auch mit Geheimnissen und mit dem Wunderbaren zu tun. Das Geheimnsivolle können wir vielleicht nicht analysieren, aber wir können trotzdem damit in Kontakt gehen.

Z0109 Die grundlegende Frage von Leben und Tod (Teisho vom 9.10.2020)

MU Fall Nr. 47 Tosotzus drei Barrieren

Im Fall Nr. 47 aus dem Mumonkan, Tosotzus drei Barrieren, wird der Umgang mit der Vergänglichkeit und mit dem Tod thematisiert.
Die “Drei Barrieren” sind die Fragen:

  1. Was ist deine wahre Natur?
  2. Wie kannst du frei von “Leben-und-Tod” sein?
  3. Wohin wirst du gehen?
    Im Prozess, den wir auf dem Zen-Weg durchlaufen, arbeiten wir in der Meditation mit einer Tiefenatmung die uns das Gewahrsein im Nicht-Denken erleichtert. Im eigenen Schwerpunkt – Hara – zentriert gewinnen wir Selbstvertrauen und wecken unsere ursprüngliche Natur.
    Dann können wir, konfrontiert mit der Vergänglichkeit, sogar bis hin zum eigenen Tod – als Kinder sowohl der Erde als auch der Grenzenlosigkeit – mitten in dieser Vergänglichkeit in vollem Gewahrsein unserer eigentlichen Natur leben.

Z0108 Zen als Durchdringung von Versenkung und alltäglichem Leben (Teisho vom 8.10.2020)

Kattoshu Fall Nr. 28 (26): Kyogens Klang eines Bambusrohrs – Über die Zenpraxis der Verbindung von Versenkung und alltäglicher Arbeit.

In der Traditon des Zenbuddhismus wird seit Hyakujo Ekai, (720 – 814,) ausdrücklich Wert auf die Verbindung von Versenkung und täglicher Arbeit gelegt. Die produktive praktische Tätigkeit wird dabei als spirituelle Disziplin verstanden. Hyakujo Ekai legte die heute noch praktizierten Regeln für das Leben der Mönche in den Selbstversorgerklöstern fest.
Wenn wir diesem Weg folgen, können wir immer mehr erleben, dass der Umgang mit den praktischen Lebensfragen und den Dingen des Alltags zu unserem eigentlichen Lehrer wird.
Bleiben wir nur im Funktionieren, dann fehlt etwas Entscheidendes. Vollständiges Zen wird dagegen immer mehr zur Durchdringung von Versenkung und alltäglichem Leben. Und im Prozess des Erwachens werden wir natürlicherweise zu achtsamen Menschen.

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Z0107 Welche Normalität wünschen wir uns? (Teisho vom 27.9.2020 in Wuppertal)

Der Kaiser, der viel für den Buddhismus getan hat, befragte den indischen Mönch Bodhidharma, welches Verdienst er durch seine Förderung des Buddhismus erworben hätte. Bodhidharma antwortet: “Kein Verdienst”.
Wir selbst greifen heute kollektiv tief in die Welt ein und glauben oft noch, die Dinge im Griff zu haben. Gleichzeitig werden wir selbst mit alltäglichen Herausforderungen konfrontiert bis hin zur existentiellen Frage von Leben und Tod. Und speziell in der herrschenden Corona-Situation stellt sich uns die Frage, zu welcher “Normalität” wir zurückkehren wollen.
Wie der Dalai Lama sagt: Wir können dazu beitragen, zur größten Revolution der Menschheit beizutragen: der Revolution des Mitgefühls.

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Z0106 Die Frage von Leben und Tod (Teisho vom 6.9.2020)

Zenki Kapitel 18 Shobogenzo

Christoph Hatlapa nimmt ein Zitat von Zenmeister Dogen Zenji (1200-1253) als Anlass für diesen Vortrag: “Zusammen sind Leben und Tod das tatsächliche Erscheinen der Wahrheit” (Aus dem Zenki, Kapitel 18 Shobogenzo).
Auch in der Corona-Krise wird unser Verhältnis zum Tod und zur Vergänglichkeit kaum öffentlich thematisiert.
Wir können uns, besonders auch in Zeiten des Dank Corona entschleunigten öffentlichen Lebens, noch einmal verstärkt für die Natur im Kleinen wie im Großen öffnen. Wir können dann erkennen: gerade in der Vergänglichkeit zeigt sich die Liebe des Großen Lebens für sich selbst. Wie Dogen sagt: “Die Verwirklichung der Erleuchtung bedeutet wahres Leben – vollständiges freies Handeln”. Und die Übung und die Praxis fördert denjenigen flexiblen Geist, der sich im Großen Leben – zu dem Leben UND Sterben gehört – als Lebenselexier erweisen kann.

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Z0105 “Vermeide das Übel, praktiziere das Gute, reinige deinen Geist; dies ist die Lehre aller Buddhas” (Teisho vom 5.9.2020)

In Fall Nr. 225 (bzw. 215) des Kattoshu wird berichtet, wie der Zenmeister Niao-ko Tao-lin (jap.: Chōka Dōrin, 741–824) vom Gouverneur Bai Juyi (jap.: Haku Rakuten o. Letian, 772-846) nach der Essenz des Buddha-Dharma befragt wird und danach, wie man es übt. Als Antwort zitiert Meister Vogelnest (Niao-ko oder Choka bedeutet: Vogelnest) einen Satz aus dem Dhammapada: “Vermeide das Übel, praktiziere das Gute, reinige deinen Geist; dies ist die Lehrer aller Buddhas”.
Der in der Übungspraxis “gereinigte”, das heißt mit der ursprünglichen Buddhanatur in Einklang gebrachte Geist bringt uns dazu – ganz natürlich und ohne moralinsaure Anstrengung – Mitgefühl zu praktizieren.
Christoph Rei Ho Hatlapa erzählt die Geschichte der Übergabe des Zen durch Oi Saidan Roshi an seine deutschen Schüler und er berichtet, wie der Roshi sein Verständnis der Essenz des Zenbuddhismus weitergab.
Den Geist “zu reinigen”, bzw. das Mitgefühl im eigenen Herzen zu entwickeln, ist Ergebnis einer bewusst und selbstständig vorgenommenen Praxis, einer Übung. Im Kern des buddhistischen Weges ist also schon die soziale und politische Dimension und Wirkung angelegt. Durch die Übung, die selbstständige bewusste innere Praxis, verändert sich unsere Haltung im äußeren “realen” Leben und damit unsere Wirkung auf soziale und politische Zusammenhänge.
Neben der zunächst rein persönlichen Nutzung von Meditation und Übung für die eigene Weiterentwicklung kommt auf den folgenden Stufen des Entwicklungsweges das Auf-einander-Beziehen in der Sangha und dann auch die Wirkung im sozialen und politischen Leben ins Spiel. Das bedeutet es, die Erweckung des Mitgefühls im eigenen Herzens zu üben.
Letzten Endes geht es in der Übung nicht um persönliche Optimierung und Maximierung der eigenen biographischen Darstellung, sondern um die Fähigkeit, mit jeder Handlung und jeder Äußerung die Verbundenheit aller Wesen und Phänomene zum Ausdruck zu bringen und in Richtung von mehr Harmonie und Heilsamkeit zu entwickeln. Damit setzen wir die Tradition der 84 Generationen von Lehrern, angefangen mit dem Buddha, fort und geben sie weiter.
Christoph Hatlapa gibt die drei Statements von Oi Saidan Roshi weiter, die dieser seinen ersten Schülern in Deutschland, entnommen aus der Tradition des Zen-Buddhismus, ans Herz legte:
1.: Himmel und Erde und ich sind von derselben Wurzel, alle Dinge und ich sind von einer Substanz.
2.: Buddhismus ist, sich selbst kennenlernen. Sich selbst kennenlernen, heißt, sich selbst vergessen. Sich selbst vergessen, heißt, mit der ganzen Natur in Harmonie zu treten. (Dogen)
3.: Der wahre Weg ist nicht schwer, er verabscheut nur wählerische Wahl und Anhaftung. (Joshu)

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Z0104 Dana und die 6 Vollkommenheiten (Teisho vom August 1999)

Ein Teisho über Großzügigkeit als natürlicher Fließprozess.

Christoph spricht über Dana (übersetzt als Freigebigkeit oder Großzügigkeit) im Verständnis jenseits von materiellem Wert. Welche Art von Reichtum haben wir tatsächlich zu geben?
Ein Beispiel ist unsere Präsenz, die wir unserem Gegenüber schenken, in Form als Einfühlung, als Verständnis, als gute  Kommunikation. Aber auch Versöhnung, Dankbarkeit oder Raum geben für Entwicklung oder Klarheit, kann als Dana verstanden werden.
In unserem erwachsenen Leben, haben wir manchmal die Vorstellung, dass unsere Batterie leer sei. Geben fühlt sich dann als einseitiger Prozess an.
In der Zen Übung können wir eine andere Form von Geben erfahren: Geben als Prozess des Durchströmtwerdens; wie bei einem Kanal; hier fließt die Energie ab, dort fließt neue Energie zu.
Wir können dem Strömen eine Richtung geben – aber, das Strömen kommt von alleine, wenn wir es zulassen.
Die meisten Dinge, die wir zu geben haben, sind nicht in Mark und Pfennig zu berechnen.
Wir können ein Tempel ohne Tor sein. (Abschlussgeschichte).
Erklärung der 6 Paramitas:
Paramita = Prozess des Transzendierens (Die sechs Tugenden/Vollkommenheiten)
Dana – Großzügigkeit
Sila –   „Verkehrsregeln auf dem Weg der Erleuchtung“ (Richtlinien)
Kshanti – Weitherzigkeit (Geduld)
Virya – Entschlusskraft
Dhyana- Besonnenheit (Versenkung)
Prajna-   Weisheit / Einsicht

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Z0103 Absichtslosigkeit und die dreifache Weisheit (Teisho vom 11.7.2020)

Meister Chosa ist bei seinem Spaziergang nicht zielstrebig unterwegs; jedenfalls nicht in unserem Sinne von Zweckdienlichkeit.
Chosa war Schüler von Nansen, zu seinen eigenen Schülern gehörte Kyosan. Als Kyosan seinem Lehrer gegenüber seine Ergriffenheit zeigt, bringt der Lehrer ihn sofort handgreiflich zurück in die unmittelbare Gegenwart.
Kommen und Gehen geschieht für den Meister Chosan im Einklang mit der ursprünglichen Weisheit, der Weisheit des Tatagatha. Im Avatamsaka Sutra heißt es dazu: “Es gibt keinen Ort, den die Weisheit des Tatagatha nicht erreichte. Es gibt kein einziges empfindendes Wesen, das nicht im vollen Besitze der Weisheit des Tatagatha wäre. Nur aufgrund ihres falschen Denkens, ihrer Täuschung und ihrer Anhaftung vermögen die Wesen dies nicht zu erkennen. Wenn es ihnen nur gelänge, ihre irrigen Gedanken aufzugeben, würden sich die allumfassende Weisheit, die spontane Weisheit und die ungehinderte Weisheit von selbst in aller Klarheit manifestieren.”

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