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Was hat Zen mit Permakultur zu tun?

Zur zentralen Lehre des Buddha vom Weg, der aus dem Leiden herausführt, gehört die Lehre vom “Achtgliedrigen Pfad”, die uns Hinweise gibt, wie man unnötiges Leiden bei uns selbst und bei unseren Mitmenschen vermeiden kann. Diese Lehre hat – im Gegensatz zu den “Geboten”  westlicher Religionen – nichts mit moralischen Forderungen in dem uns gewohnten Sinne zu tun. Sondern es geht hier, neben der Empfehlung der praktischen Übung der Versenkung, der Meditation (Zazen) und der Weisheit (Prajna), auch um solche Dinge, wie die praktische Anwendung einer angemessene Sprache und auch um eine angemessene Form des Lebenserwerbs. Denn wir alle existieren niemals isoliert für uns allein, sondern wir sind – wie der Buddha immer wieder hervorhob – mit allen Anderen und allem Anderen vital und unauflöslich verbunden.

Diese Erkenntnis wird uns heute auf drastische Weise bestätigt, wenn wir lernen, wie dramatisch die Folgen unseres industriewirtschaftlichen Handelns auf die Grundlagen der Biosphäre und damit auf unsere eigenen Lebensgrundlagen zurückwirken – und auch auf unsere Nachfahren zurückwirken werden. Aus dem ursprünglich landwirtschaftlichen Konzept  der Permakultur wurde während der 1980er Jahre ein holistisch-integrativer Ansatz zur Gestaltung sozialer Siedlungsräume in Harmonie mit natürlich gewachsenen Habitaten im Sinne einer “permanent culture”. In solchen Lebensräumen wird das Zusammenleben von Menschen, Tieren und Pflanzen so miteinander kombiniert, dass diese Systeme zeitlich unbegrenzt funktionieren und die Bedürfnisse aller Elemente möglichst erfüllt werden. Damit wird die Lehre des Buddhismus von der gegenseitigen Verbundenheit und Durchdringung, die sich z. B. im Avatamsaka-Sutra ausdrückt, in der Praxis umgesetzt. Das geschieht durch den Aufbau von produktiven Strukturen und Systemen, die allen Menschen ein gesundes, selbstbestimmtes und friedliches Leben ermöglichen. Innerhalb der Transition-Town-Bewegung wurde dann die Permakulturidee, die bisher eher im ländlichen Raum Anwendung fand, in die Stadt transferiert. Dabei wurden Aspekte wie der Klimawandel und das Erdölfördermaximum (“Peak Oil”) mit einbezogen.

Den im Buddhismus traditionell als Ursachen unnötigen Leidens angesehenen drei Geistesgiften “Gier, Haß und Verblendung” wird dabei die positiv formulierte Ethik der Permakultur entgegengehalten: achtsamer Umgang mit der Erde (Earthcare), achtsamer Umgang mit den Menschen (Peoplecare), die Selbstbegrenzung (Wachstumsrücknahme) und Überschussverteilung (Limits to consumption and growth, redistribution of surpluses), eine ökonomische Komponente, die auch die begrenzte Belastbarkeit und Regenerationsfähigkeit der Biosphäre berücksichtigt.

Diese permakulturellen Gestaltungsansätze berücksichtigen in der Praxis die Lehre von der grundsätzlichen Verbundenheit aller Wesen und Erscheinungsformen, die sich auch im Gleichnis von Indras Netz ausdrückt. Thich Nhat Hanh prägte für diese gegenseitige Durchdringung den Begriff “Intersein” (engl.” interbeing”). Dieses im Avatamsaka-Sutra geschilderte Netz, in dem jeder Netzknoten ein Wesen oder ein Phänomen symbolisiert, das mit allen anderen Erscheinungsformen und Wesen verbunden ist, können wir heute als eine Vorwegnahme der Erkenntnis über diejenige Verbundenheit aller Elemente innerhalb der Biosphäre verstehen, von der wir auch mittels der Erkenntnisse der Naturwissenschaften immer mehr erfahren.

In unserer westlichen Kultur hatten wir uns aber bisher – sowohl im spirituellen Bereich als auch im naturwissenschaftlichen – stark auf diejenigen Phänomene konzentriert, die wir entweder in unserer Psyche, “im Geist”, vorfinden oder die wir innerhalb der objektiv vorgestellten Außenwelt rational erfassen, “machen” und herstellen können. Und wenn wir in den letzten zwei, drei Jahrhunderten so wenig auf die Harmonien in und mit der Natur geachtet haben, dann konnten wir uns das nur deshalb leisten, weil wir enorme Mengen an Millionen Jahre lang aufgespeicherter fossiler Energie freigesetzt haben. Wir haben die schlichte Notwendigkeit, ein Mindestmaß an Harmonie mit der Natur einzuhalten, durch den massiven Einsatz von fossiler und nuklearer Energie, durch Kunstdünger und Pestizide und die Ausbeutung von begrenzten Ressourcen ersetzt. Wenn wir nun heute von “Zen im Alltag” sprechen, dann verdrängen wir dabei nur zu gerne, dass dieser “Alltag” von einer Steigerungsdynamik geprägt ist – Verdreifachung der Produktivität seit den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts – deren Folgen mit dem Gedeihen der Biosphäre in einer endlichen Welt nicht auf Dauer vereinbar sind.

Wir haben unsere Sicht auf die Welt, in der wir leben, stark eingegrenzt, handeln aber mit enormem industriellen Einsatz in die gesamten biosphärischen Zusammenhänge – auch in die uns (noch) nicht bekannten – hinein. Aus dieser Enge unserer Wahrnehmung und aus dem vermeintlichen Wachstumszwang, in den uns die industrielle Zivilisation geführt hat, kann uns eine meditative Disziplin wie die Praxis des Zen Buddhismus wieder öffnen für die Fülle der Unfassbarkeit der vollständigen Wirklichkeit – auch jenseits des rationalen Reduktionismus. Und die Permakultur hält für uns Methoden und Wege bereit, die wir zu einer nachhaltigeren und harmonischeren Gestaltung unseres Lebens innerhalb dieser Biosphäre und auf dieser Erde nutzen können.

(Autor: Jürgen Windhorn)

Literatur Permakultur (Auswahl):

Graham Bell: Der Permakultur-Garten. Anbau in Harmonie mit der Natur. 2. überarbeitete Auflage. Pala-Verlag, Darmstadt 2004, ISBN 3-89566-196-1

ders.: Permakultur praktisch. Schritte zum Aufbau einer sich selbst erhaltenden Welt. 2. überarbeitete deutsche Auflage. Pala-Verlag, Darmstadt 2006, ISBN 3-89566-197-X

Rob Hopkins. Energiewende: Das Handbuch. Anleitung für zukunftsfähige Lebensweisen, Zweitausendeins, 2008, ISBN 9783861508823

Fukuoka Masanobu: Der große Weg hat kein Tor. Pala-Verlag, Schaafheim 1984, ISBN 3-923176-14-7

ders.: Rückkehr zur Natur. Die Philosophie des natürlichen Anbaus. 2. Auflage. Pala-Verlag, Darmstadt 1998, ISBN 3-923176-46-5

ders.: In Harmonie mit der Natur. Die Praxis des natürlichen Anbaus. Pala-Verlag, Schaafheim 1998, ISBN 3-923176-47-3

Bill Mollison: Das Handbuch der Permakultur-Gestaltung. Permakultur-Akademie im Alpenraum

ders.: Permakultur II. Praktische Anwendungen pala-verlag, Schaafheim 1994, ISBN 3-923176-05-8

Bill Mollison & David Holmgren: Permakultur. Landwirtschaft und Siedlungen in Harmonie mit der Natur. pala-verlag, Schaafheim 1984, ISBN 3-923176-04-X

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Verkleidung der Terrasse/Porche

Unsere Terrasse ist nun langsam winterfest. Die Bodenisolierung wurde ja schon vor einiger Zeit vorgenommen. Numehr sind von Tobias die Fensterfronten eingebaut und nach Augenzeugenberichten gewinnt der Platz / jetzt Raum ungemein an Behaglichkeit und Geborgenheit. Die Sorge, man säße nun in einem hitzigen Gewächshaus, abgeschnitten von Luft und Natur, hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, durch Öffnung der Türen herrscht ein wohltuender Luftzug und man dockt direkt an das Außen an. Bingo

Schaut es Euch bei Eurem nächsten Besuch an. Das Herbstsesshin wäre eine gute Gelegenheit.

 

ToGenJi-Tempel-Manifest

Das ToGenJi ist ein Ort der Zenpraxis und der Kooperation mit der inneren und äußeren Natur.

Es ist örtlicher Bezugspunkt für Praktizierende, insbesondere Laienordinierte und Mönche und Nonnen, und ein Trainingszentrum für die vertiefte Praxis der Mitgliedsgruppen von Choka Sangha.

Mitglieder der Choka Sangha sind eingeladen, mit ihrem eigenen Engagement zur Verwirklichung der Ziele des ToGenJi beizutragen.

ToGenJi unterstützt den Aufbau örtlicher Praxisgruppen und fördert die Übung der Zenkünste wie Ikebana / Blumenstecken, Chadō / Teezeremonie oder Shodō / Kalligraphie.

Unsere Praxis und Übung gründet sich in den jahrhundertealten Wurzeln der Tradition des Zen-Buddhismus und in der Ökologie, speziell der Permakultur mit ihren ethischen Prinzipien “Sorge für die Erde, Sorge für die Menschen und Wachstumsrücknahme und faires Teilen der Ressourcen”.

Zur Tradition der Zen-Mönche und -Nonnen gehört die eigene Verantwortung für ihren Unterhalt und auch die Anlage von Gärten zur Selbstversorgung. Die klassischen Klöster mit ihren Gärten waren und sind auf Nachhaltigkeit angelegt und gewinnen auch ihre besondere Ästhetik erst durch die Dauer.

Behutsam und kontinuierlich verwandeln wir ein Stück ehemalige Agrar-Wüste in ein fruchtbares Paradies, unseren ToGenJi-Garten, der zu unserer Freude und Ernährung beiträgt. Dazu wenden wir die Erkenntnisse aus der Permakultur und anderen Systemen der Nachhaltigkeit an.

Wir nehmen uns Zeit, die Lebensbedingungen und Lebensgemeinschaften der Pflanzen und Tiere zu erforschen, mit ihnen zu kommunizieren und sie durch mitfühlende und achtsame Aktivität zu unterstützen. In unserer Begegnung mit ihnen erleben wir unsere Zusammengehörigkeit und Verbundenheit.

Wir erforschen unsere innere Natur in der Meditation und in unserem Gemeinschaftsleben von Laien und Laiinnen, Mönchen und Nonnen.

Was es für uns heißt, Mönch oder Nonne zu sein:

  • wir fühlen uns verantwortlich dafür, den Tempel nach außen zu vertreten
  • wir streben nach innen an, Vorbild für die Praxis zu sein
  • wir fühlen uns in besonderer Weise für ToGenJi und seine Weiterentwicklung  verantwortlich
  • wir unterstützen und initiieren Projekte, die den Dharma fördern (z. B. Ausbildung im Teeweg, Tenzo / Küchenleitung im Zengeist, etc.)
  • wir bekennen uns dazu, Zen zu unserem Lebensmittelpunkt zu machen
  • wir streben an, den Zengeist auch in andere Lebensbereiche einzubringen (z. B. durch soziales Engagement und durch Unterstützung von Gemeinschaftsbildungsprozessen)
  • wir suchen Brücken zu verwandten spirituellen Übungswegen
  • wir entnehmen die Ordnungsprinzipien im Tempel und innerhalb der Zen-Übung aus der Lehre des Dharma und aus dem klassischen Senioritätsprinzip, das sich nach der Dauer der Zugehörigkeit zur Sangha, bzw. der Ordination ableitet

Gemeinschaftsleben lässt uns unsere Emotionen und Sensibilitäten erfahren und in der Meditation deren Ursachen erforschen.

In offenen Konflikten wenden wir die Methoden der Mediation und der GfK zur Konfliktklärung an.

Wir lassen den Geist der Gemeinschaft sich entfalten und spürbar werden, indem wir aufeinander achten und voneinander lernen, durch Beobachtung, Nachahmung und Einfühlung.

Wir folgen der Lehre des Buddha im mittleren Weg. Wir vermeiden Dogmatismus und Gleichgültigkeit gleichermaßen. In Dankbarkeit nehmen wir an, was uns gegeben wird.

Wir ehren die Form und Essenz der Zenübung, die sich durch jahrhundertelange Praxis bewährt hat und passen die Formen unter Erhalt ihrer Essenz gemeinsam und behutsam an unsere westlichen kulturellen Bedingungen an.

Wir üben uns in Spurlosigkeit sowohl auf der materiellen als auch der emotionalen und spirituellen Ebene. Unser Handeln ist sorgsam und konzentriert.

Als Mitglied von Choka Sangha unterstützen wir diesen Ort der Praxis mit unserem nachhaltigen Engagement. Je nach Dauer der Zugehörigkeit, individuellen Möglichkeiten und persönlicher Entwicklung gestalten wir die Verbindlichkeit dieses Engagements. Wir sind uns bewusst, dass unsere spirituelle Entwicklung der zentrale Punkt in unserem Leben ist.

Wir heißen Gäste willkommen, die sich diesen Themen und dieser Haltung widmen und unterstützen sie nach besten Kräften auf unserem gemeinsamen Weg.

 

Mitgliederversammlung 2017

Unsere Choka-Sangha Mitgliederversammlung 2017 findet am

Sonntag den 22.10. um 13.30 Uhr im ToGenJi statt. – Das ist am Ende vom Herbstsesshin

Alle Mitglieder und auch Nicht Mitglieder sind herzlich eingeladen teilzunehmen und an Entscheidungen mitzuwirken.

Stay tuned: 

eventuell wird die Mitgliederversammlung als Internet-Live-Stream auch von auswärts zu verfolgen sein. Möglicherweise sogar mit Audioteilnahme. Wir klären grad die technischen Möglichkeiten und werden das hier gegebenfalls veröffentlichen.