Kategorie: Podcast

Z00125 Medizin und Krankheit heilen sich gegenseitig (Teisho vom 27.11.2020)

Wir sind gleichzeitig Kinder der Erde und Kinder der Grenzenlosigkeit. “Grenzenlosigkeit” im Sinne des Hannya Shingyo: “Grenzenlosigkeit ist nicht verschieden von Form und Form ist nicht verschieden von Grenzenlosigkeit”. (’Shunyata’, sinojap.: ’ku’, wird hier nach Kazuaki Tanahashi als ’Unboundedness’, also als ’Unbegrenztheit’ verstanden; im Sinne der Eigenschaften aller Daseinselemente, die buddhistisch als ohne Eigensubstanz und als untrennbar miteinander verwoben erkannt werden.) Im Herz-Geist, in Bodhicitta, im Erleuchtungsgeist, kann unser Geist zur Verbundenheit mit den Mitmenschen und der Mitwelt erwachen.

Eine gelungene Verbindung beschreibt der Soziologe Hartmut Rosa mit der Metapher ’Resonanz’. Zu dieser Resonanz gehört:
Wir werden wirklich berührt und ergriffen.
Wir erleben uns als selbstwirksam. Im Daoismus wird von Wu wei gesprochen, vom absichtslosen Handeln in Übereinstimmung mit der Mitwelt.
Im Wechselspiel von Berührt-werden und Antworten verwandeln wir uns selbst.
Die Resonanzbeziehung ist grundsätzlich ’unverfügbar’; Resonanz ist keine Ressource, auf die wir beliebig zugreifen können und sie bleibt unserer Kontrolle existentiell entzogen.
In einer solchen Resonanz können wir – nach Umon – gar nicht anders als ’Medizin’ zu erwecken. Und wenn wir die ’Medizin’ im Sinne Umons erweckt haben, können wir nicht anders, als uns mitfühlend und hilfreich zu verhalten.
Und Umon fragt dann: Wo findest du dich selbst? Das heißt: Wo bist du selbst in diesem Prozess des durch Resonanz geleiteten Eingreifens in die Welt?

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Z00124 Zufluchtnahme-Zeremonie (Teisho vom 11.10.2020)

1.Nicht töten und Leben erhalten. – Es geht darum, das Leben zu fördern (“Bring up all beings!” – Oi Saidan Roshi)
2. Nichts nehmen, was nicht gegeben ist. Großzügigkeit üben. – Weil das Leben eine großzügige Veranstaltung ist!
3. Kein sexuelles Fehlverhalten.
4. Wahrhaftigkeit praktizieren. Anderen und sich selbst gegenüber.
5. Den Geist nicht trüben und Klarheit bewahren. – Besonders auch in Bezug auf die zunehmende Abhängigkeit von Social Media.

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Z00123 Mit dem Unerklärlichen praktisch umgehen (Teisho vom 10.10.2020)

Changshi schaut ein Polospiel an, geht es um die Beziehung zu den Wesen und Dingen dieser Welt.
Sogar mit Werkzeugen, Maschinen und Heizungsanlagen können wir in eine rein mechanistisch gegenständlich oder aber in eine angemessene Art und Weise der Beziehung treten. Wenn wir dann mit einer Blume oder einem Stein zu tun haben, dann analysieren wir die Blume nicht nur und benutzen den Stein nicht nur sondern “werden” gewissermaßen Blume, “werden” Stein. In einem Universum, das unermesslich weit über unser Fassungsvermögen hinausgeht, haben wir es ständig auch mit Geheimnissen und mit dem Wunderbaren zu tun. Das Geheimnsivolle können wir vielleicht nicht analysieren, aber wir können trotzdem damit in Kontakt gehen.

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Z00122 Die grundlegende Frage von Leben und Tod (Teisho vom 9.10.2020)

1. Was ist deine wahre Natur?
2. Wie kannst du frei von “Leben-und-Tod” sein?
3. Wohin wirst du gehen?
Im Prozess, den wir auf dem Zen-Weg durchlaufen, arbeiten wir in der Meditation mit einer Tiefenatmung die uns das Gewahrsein im Nicht-Denken erleichtert. Im eigenen Schwerpunkt – Hara – zentriert gewinnen wir Selbstvertrauen und wecken unsere ursprüngliche Natur.
Dann können wir, konfrontiert mit der Vergänglichkeit, sogar bis hin zum eigenen Tod – als Kinder sowohl der Erde als auch der Grenzenlosigkeit – mitten in dieser Vergänglichkeit in vollem Gewahrsein unserer eigentlichen Natur leben.
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Z00120 Welche Normalität wünschen wir uns? (Teisho vom 27.9.2020 in Wuppertal)

Der Kaiser, der viel für den Buddhismus getan hat, befragte den indischen Mönch Bodhidharma, welches Verdienst er durch seine Förderung des Buddhismus erworben hätte. Bodhidharma antwortet: “Kein Verdienst”.
Wir selber greifen heute kollektiv tief in die Welt ein und glauben oft noch, die Dinge im Griff zu haben. Gleichzeitig werden wir selber mit alltäglichen Herausforderungen konfrontiert bis hin zur existentiellen Frage von Leben und Tod. Und speziell in der herrschenden Corona-Situation stellt sich uns die Frage, zu welcher “Normalität” wir zurückkehren wollen.
Wie der Dalai Lama sagt: Wir können dazu beitragen, zur größten Revolution der Menschheit beizutragen: der Revolution des Mitgefühls.

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Z00118 “Vermeide das Übel, praktiziere das Gute, reinige deinen Geist; dies ist die Lehre aller Buddhas” (Teisho vom 5.9.2020)

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Z00117 Dana und die 6 Vollkommenheiten (Teisho vom August 1999)

Christoph spricht über Dana (übersetzt als Freigebigkeit oder Großzügigkeit) im Verständnis jenseits von materiellem Wert. Welche Art von Reichtum haben wir tatsächlich zu geben?

Ein Beispiel ist unsere Präsenz, die wir unserem Gegenüber schenken, in Form als Einfühlung, als Verständnis, als gute Kommunikation. Aber auch Versöhnung, Dankbarkeit oder Raum geben für Entwicklung oder Klarheit, kann als Dana verstanden werden.

In unserem erwachsenen Leben, haben wir manchmal die Vorstellung, dass unsere Batterie leer sei. Geben fühlt sich dann als einseitiger Prozess an.

In der Zen Übung können wir eine andere Form von Geben erfahren: Geben als Prozess des Durchströmtwerdens; wie bei einem Kanal; hier fließt die Energie ab, dort fließt neue Energie zu.

Wir können dem Strömen eine Richtung geben – aber, das Strömen kommt von alleine, wenn wir es zulassen.

Die meisten Dinge, die wir zu geben haben, sind nicht in Mark und Pfennig zu berechnen.

Wir können ein Tempel ohne Tor sein. (Abschlussgeschichte).

Erklärung der 6 Paramitas:
Paramita = Prozess des Transzendierens (Die sechs Tugenden/Vollkommenheiten)

Dana – Großzügigkeit
Sila – „Verkehrsregeln auf dem Weg der Erleuchtung“ (Richtlinien)
Kshanti – Weitherzigkeit (Geduld)
Virya – Entschlusskraft
Dhyana- Besonnenheit (Versenkung)
Prajna- Weisheit / Einsicht

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Z00115 Den eigenen Geist klug gebrauchen und den Segen des Buddha-Dharma weitergeben (Teisho vom 10.7.2020)

In diesem Vortrag spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über die Wirkung des Zen-Weges in seinem eigenen Leben und von der Übungspraxis als Kraftquelle. Zur Tradition der Lehren des Buddha gehört auch die Weitergabe dieser Tradition, die “Weitergabe der Leuchte”. In diesem Sinne geht es für uns darum, als Gemeinschaft kreativ zu werden und den Segen des Weges für die nächste Generation sichtbar zu machen. Es geht dabei darum, zu lernen unseren Geist in Übereinstimmung mit den anderen Wesen klug zu gebrauchen. Und uns an den Früchten der Kooperation auf diesem Planeten zu erfreuen

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Z00114 Die Erscheinungen und das Wesen der Einheit Oder: Die gegenseitige Durchdringung und Ermöglichung aller Phänomene und Wesen (Teisho vom 8.7.2020)

Alle Dinge, so fragt ein Mönch Meister Joshu, kehren – nach der Lehre des Avatamsaka Sutra – in das Eine zurück. Wohin aber kehrt das Eine zurück?
Aus der Einsicht und der Übung ergibt sich die Konsequenz, die gegenseitige Durchdringung und Ermöglichung aller Phänomene und Wesen zur Kenntnis nehmen und in unseren Entscheidungen und Handlungen zu realisieren.
In den Lehren der Kegon-Schule heißt es, dass Alle Dinge aus den “drei Reichen”, nämlich aus dem Reich der Formlosigkeit, dem Reich der Form und dem Reich des Begehrens oder des Intentionalen, jeweils auf “das Eine” zurückgehen.
Nach der Lehre des Kegon werden vier Dharmadhatu – Bereiche oder Erscheinungsformen – unterschieden:
Das Dharmadhātu des Li’ (jap. ri) ist der Breich des einen Prinzips der śūnyatā.
Das Dharmadhātu des Shih’ (jap.: ji) Shih kann etwa mit ‘Bereich’ des Relativen und aller Dinge und Phänomene übersetzt werden.
Das Dharmadhātu der Nichtbehinderung von Li durch Shih’. Dieses Reich wird als das “Reich der gegenseitigen Durchdringung zwischen Absolutem und Phänomenen” angesehen.
Das Dharmadhātu der Durchdringung zwischen Shih und Shih’. Dieses Reich (Sanskrit: dhātu) ist “das Reich der gegenseitigen Durchdringung der Phänomene”.

In unserem Fall geht es um das Verhältnis der Einzeldinge und Wesen zum übergreifenden Einen. Joshu antwortet auf die Frage nach diesem Verhältnis mit dem Verweis auf ein sinnlich erfahrbares Ding, sein sebst gemachtes Hemd aus Hanf. Das solide Hemd aus robustem Hanfgarn besteht aus einzelnen Fäden und die einzelnen Fäden erfüllen ihre Funktion im Gewebe des des Hemdes. Das Hemd lässt sich auf die Fäden zurückführen und die Fäden finden ihren Zusammenhang und ihre Nützlichkeit als Hemd. Über diesen Bezug zwischen Einzelphänomen und übergreifendem Ganzen hinaus legt die Kegon-Philosophie noch besonderen Wert auf die gegenseitige Durchdringung der Einzelphänomene. Jedes Einzelphänomen, jedes einzelne Wesen, jeder einzelne Mensch, wird erst dadurch lebendig und aktiv, dass es oder er mit allen anderen Phänomenen in unmitttelbarer gegenseitiger Durchdringung existiert. Diese gegenseitige Verbindung und Durchdringung aller Phänomene und Wesen begründet die Einheit von Erkenntnis und Mitgefühl.

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Z00113 Das Erwachen zu unserem ursprünglichen Potential (Teisho vom 7.7.2020)

Auf dem spirituellen Weg stellen wir uns der Herausforderung, die Welt einschließlich unserer Selbst erst einmal so zu akzeptieren, wie die Welt ist und wie wir selbst sind. Und auf dieser Basis baut dann die Möglichkeit auf, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. In der gegenwärtigen Corona-Krise ergibt sich die Chance, das eigene Leben zu entschleunigen. Und in Erwartung der Rückkehr zur sogenannten Normalität des Funktionieren-Müssens und des Wachstums stellt sich die Frage, was ein ernst genommenen Selbstverantwortung bedeutet. Weil wir im bloßen Funktionieren und Weitermachen-wie-bisher aus der Verantwortung für die Konsequenzen des eigenen Handelns fliehen.
Wenn es uns um das Erwachen geht, dann stellt sich uns die Frage: wozu wollen wir erwachen? Und in der Praxis der Übung können wir die ursprüngliche nicht-korrumpierbare Buddhanatur, die in jedem von uns verborgen ist, kultivieren und in ernst genommenem selbstverantwortlichen Handeln realisieren. Dann kann “jeder Tag ein guter Tag” sein.

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